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Augsburger Koalition: Streit um Süchtigentreff beigelegt

Augsburg (dpa/lby) – Nach wochenlangen Auseinandersetzungen um einen geplanten Süchtigentreffpunkt will die Augsburger Rathauskoalition nun wieder an einem Strang ziehen. Die neuen Pläne zur Einrichtung des Treffpunkts in einer ehemaligen Apotheke bei dem Bahnhof im Stadtteil Oberhausen wurden am Donnerstag von den Fraktionen von CSU, SPD und Grünen positiv aufgenommen.

Der neue Standort werde nun auf die Eignung überprüft, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die zu Beginn einer Stadtratssitzung zu dem Thema herausgegeben wurde. Es sei nun wichtig, dass das Verfahren transparent erfolge und die Anwohner frühzeitig eingebunden würden.

Die Stadt plant seit zwei Jahren einen festen Süchtigentreffpunkt in der Nähe des Bahnhofs, der seit langem ein Szenetreffpunkt und Kriminalitätsschwerpunkt ist. Vorbild ist eine entsprechende Einrichtung in Dortmund. In Augsburg sollen künftig zwei Sozialdienste die Süchtigen betreuen.

Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) hatte den Treffpunkt in einem ehemaligen Lokal in einem Wohngebiet schaffen wollen. Der dortige CSU-Ortsverband lehnte die «Trinkerstube in Reichweite eines Kindergartens, einer Grundschule und eines Seniorenheims» vehement ab. Auch von Anwohnern gab es Proteste. Vor wenigen Tagen wurde deswegen die frühere Apotheke als Kompromiss vorgeschlagen.

Wurm betonte in der Stadtratssitzung, dass jeder Standort Vor- und Nachteile habe. Es gebe «keinen idealen Standort». Die Stadt will nun ein Gesamtkonzept umsetzen, um das Areal rund um den Helmut-Haller-Platz an dem Bahnhof aufzuwerten. Der betreute Treff für Alkoholkranke und andere Drogenabhängige soll schnellstmöglich umgesetzt werden. Im Januar soll es Informationsabende für die Bevölkerung zu dem neuen geplanten Standort geben. Der Stadtrat stimmte dem neuen Konzept einstimmig zu.

Am Helmut-Haller-Platz hat die Polizei wegen der Probleme die Kontrollen verstärkt und in den ersten neun Monaten dieses Jahres 170 Straftaten registriert. Dies ist fast eine Verdoppelung gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016. Die vermehrten Kontrollen hätten allerdings zum Anstieg der registrierten Straftaten beigetragen, erklärt Polizeisprecher Thomas Rieger. Denn Drogendelikte wären ohne die Präsenz der Polizeistreifen nicht erfasst worden. Aber auch Gewalttaten und Diebstähle beschäftigen die Polizei an dem Platz immer wieder.

Die Polizei begrüßt die Einrichtung eines Szenetreffs. Dieser dürfe aber kein rechtsfreier Raum werden, Polizeikontrollen müssten möglich bleiben, erklärt Rieger. Eine «Fixerstube» zum Konsum illegaler Drogen lehnt die Polizei ab.