© Peter Kneffel

Ausstellung: Kinderstühle in der Pinakothek der Moderne

München (dpa/lby) – Heutzutage gibt es Kinderstühle für wenige Euro im Möbelmarkt zu kaufen. Doch vor gut 150 Jahren konnten sich nur die Wohlhabenden so ein Möbelstück leisten. Rund 60 Exemplare von der Biedermeierzeit bis heute sind nun in einer kleinen Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen. Die Münchnerin Gisela Neuwald zeigt eine Auswahl ihrer Sammlung, die sie in den 1970er Jahren begonnen hat und die mittlerweile mehr als 300 Kinderstühle umfasst. Klassiker des modernen Designs würden ebenso präsentiert wie Volkskunst und kuriose Stücke, teilte das Museum am Mittwoch mit. «… nur Stühle? Kinderstühle der Sammlung Neuwald» ist von Donnerstag bis zum 4. Februar 2018 zu sehen.

Kinderstühle gebe es seit den frühen Hochkulturen, sagte Angelika Nollert, Direktorin der Neuen Sammlung – The Design Museum, die in der Pinakothek der Moderne untergebracht ist. Anfangs saßen die Kleinen auf nachgebauten Erwachsenenstühlen im Kleinformat. Erst im 20. Jahrhundert begannen die Hersteller, die Bedürfnisse von Kindern stärker zu berücksichtigen. In der Ausstellung finden sich Stühle von berühmten Designern wie Philippe Starck, Konstantin Grcic oder Alvar Aalto. Manche sind schlicht aus Holz, einer ist gar aus Haselnuss-Stecken gebaut, andere sind klassische Schulstühle aus Draht, Kunststoff oder aus Pappe.

Kinder bewerten die Sitzmöbel jedoch weniger nach dem Design. Sie wollten lieber damit spielen, stellten Mitarbeiter der Technischen Universität München fest, die sich wissenschaftlich mit der Sammlung beschäftigen. Der Favorit der jungen Besucher: das Modell «Zocker» von Luigi Colani, eine Art Sessel mit Pult, der zum Spielen und Rumtoben einlädt und der sich deutlich von den bei Eltern beliebten Holz- und Naturtönen abhebt, leuchtet er doch knallorange.

Darauf rumtoben darf man in der Pinakothek nicht. Anders als bei der Sammlerin Neuwald zuhause, wo ihre Enkel auf Stühlen sitzen dürfen, solange es sich nicht um allzu zerbrechliche Objekte handelt. «Aber normale Gebrauchsspuren sind immer willkommen», sagt sie.