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Umfrage sieht CSU bei 40 Prozent: Werte für Söder positiv

München (dpa/lby) – Ein Dreivierteljahr vor der Landtagswahl in Bayern kommt die CSU einer Umfrage zufolge nicht über die 40-Prozent-Marke hinaus. Genau auf diesem Wert landen die Christsozialen im sogenannten «Bayerntrend» des BR-Politikmagazins «Kontrovers», der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Wäre am Sonntag Landtagswahl, würde die SPD demnach 16 Prozent erreichen. Die Grünen sind den Sozialdemokraten dicht auf den Fersen und könnten mit 14 Prozent rechnen, die AfD mit 10 und die Freien Wähler mit 7 Prozent. Die FDP müsste mit 5 Prozent um den Einzug in den Landtag zittern.

Die CSU liegt damit zwar wieder über ihrem Tiefststand, den sie mit 37 Prozent zum Höhepunkt ihres Führungsstreits im November hatte hinnehmen müssen. Im «Bayerntrend», der meist einmal im Jahr erhoben wird, bedeuten die 40 Prozent dagegen den tiefsten Wert seit 1998.

Eine Fortsetzung der CSU-Alleinregierung bewerten laut Umfrage 38 Prozent der Bayern positiv. Bessere Bewertungen bekommen diverse Koalitionsmodelle: An der Spitze liegt ein schwarz-grünes Regierungsbündnis (46 Prozent) – vor der Landtagswahl 2013 war ein solches Modell nur bei 32 Prozent der Bayern auf Zustimmung gestoßen. Hinter Schwarz-Grün folgen eng hintereinander folgende Koalitionen: CSU/SPD (41 Prozent), CSU/Freie Wähler (40) und CSU/FDP (38). Unter CSU-Anhängern hat demnach neben der Fortsetzung der Alleinregierung (71 Prozent) ein Bündnis mit der FDP die größte Zustimmung (55).

Die persönlichen Umfragewerte für Markus Söder, der Horst Seehofer in den nächsten Monaten als bayerischer Ministerpräsident ablösen soll, fallen überwiegend positiv aus: 59 Prozent der Bayern rechnen damit, dass der CSU-Politiker einen guten Ministerpräsidenten abgeben wird, 31 Prozent haben Zweifel. 75 Prozent der Bayern attestieren dem Franken der Umfrage zufolge Führungsstärke, 74 Prozent glauben, dass Söder zum Bundesland Bayern passt. 61 Prozent der Befragten bescheinigen ihm Bürgernähe und 58 Prozent Glaubwürdigkeit. Doch nur gut die Hälfte (53 Prozent) hält Söder für sympathisch. Und 71 Prozent gaben an, dass Söder mit seinen Positionen polarisiere.

Söder sagte zu der Umfrage, die CSU habe sich «leicht stabilisiert». «Aber es ist noch ein weiter Weg.» Seine persönlichen Werte freuten ihn und seien «ein gutes Fundament zum Start der neuen Aufgabe». Der bayerische SPD-Generalsekretär Uli Grötsch sagte: «Die Umfrage weist in die richtige Richtung, wir bleiben aber realistisch: Es liegt viel Arbeit vor uns. Der Landtagswahlkampf hat noch nicht begonnen.» Die Grünen-Landesvorsitzenden Sigi Hagl und Eike Hallitzky sagten, man wolle «noch eine Schippe drauf packen, denn wir sind der festen Überzeugung: Da geht was. Das Rennen um Platz 2 ist offen.»

Weitere Ergebnisse der Umfrage im Überblick:

MINISTERPRÄSIDENTEN-DIREKTWAHL: Dürften die Bayern ihren nächsten Regierungschef direkt wählen, läge Söder mit 55 Prozent deutlich vor seiner SPD-Herausforderin Natascha Kohnen mit 25 Prozent. Die besten Werte erzielt Söder unter den Anhängern der CSU (81 Prozent), der AfD (85), der Freien Wähler (67) und der FDP (67). Bei den SPD-Anhängern liegt Kohnen mit 43 Prozent vorne, doch auch hier sind 36 Prozent für Söder. Unter Grünen-Anhängern liegt Kohnen mit 55 zu 23 Prozent vorn.

SCHLECHTERE WERTE FÜRS KABINETT: Die Zufriedenheit mit der Arbeit des Kabinetts hat binnen eines Jahres deutlich abgenommen: Nur noch 54 Prozent äußern sich wohlwollend – Anfang 2017 waren es 69 Prozent.

SCHLECHTERE WERTE FÜR SEEHOFER: Wenige Wochen vor der geplanten Übergabe der Amtsgeschäfte an Söder sehen nur noch 54 Prozent der Bayern in Horst Seehofer einen guten Ministerpräsidenten, 40 Prozent nicht. Vor einem Jahr war Seehofer noch auf 68 Prozent gekommen.

POLITIKERNOTEN: Auch bei der Bewertung nach Schulnoten sackt Seehofer ab: Vor einem Jahr war er mit der Note 2,9 noch unter den ersten vier bayerischen Politikern gelandet; jetzt liegt er mit 3,3 auf einem persönlichen Tiefstand und auf dem vorletzten Platz. An der Spitze liegen Landtagspräsidentin Barbara Stamm (2,4), Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter (2,6), Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide 2,8) sowie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer (beide 2,9). Von den Oppositionspolitikern schneiden SPD-Landeschefin Natascha Kohnen und Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann mit 3,0 am besten ab. Die Schlusslichter sind CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle, SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher und die Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl (alle 3,4).

WICHTIGSTE PROBLEME: Das wichtigste landespolitische Thema bleibt laut Umfrage die Migrationspolitik (50 Prozent). Dahinter folgen Bildung (22 Prozent), soziale Ungleichheit (13) und Wohnen (11).

KOMPETENZEN: Die CSU genießt im Urteil der Bayern zwar weiter das meiste Vertrauen, die Werte fallen aber schlechter aus als im Vorjahr. Am besten sind sie in der Wirtschaftspolitik (69 Prozent), bei der Kriminalitätsbekämpfung (62) sowie in der Haushalts- und Finanzpolitik (58). In der Schul- und Bildungspolitik sackt das Vertrauen dagegen um 7 Punkte auf 38 Prozent ab, in der Asyl- und Flüchtlingspolitik um 9 Punkte auf 35 Prozent. Insgesamt trauen der CSU 52 Prozent die Lösung der wichtigsten Probleme in Bayern zu – doch auch das sind sieben Prozentpunkte weniger als Anfang 2017. Beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit liegt die SPD vor der CSU.

Für die Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 3. bis 8. Januar 1002 Wahlberechtigte telefonisch interviewt.