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Bayern: Protestanten feiern Buß- und Bettag

Nürnberg/München (dpa/lby) – Als gesetzlicher Feiertag wurde er vor mehr als 20 Jahren abgeschafft. Trotzdem begehen heute immer noch viele Protestanten in Bayern den Buß- und Bettag mit Gottesdiensten. Mit Rücksicht auf Berufstätige finden inzwischen allerdings viele Gottesdienste erst am Abend statt, berichtete ein Sprecher der Landeskirche am Dienstag. Dass an diesem Tag Schulen und Kindergärten geschlossen haben, ist für viele Eltern jedes Jahr aufs Neue ein Ärgernis.

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm will den protestantischen Feiertag mit einem Gottesdienst in der Münchener Matthäus-Kirche begehen. Der Buß- und Bettag steht in diesem Jahr unter dem Motto «Um Gottes willen». In einer Mitteilung betonte die Landeskirche, der Buß- und Bettag sei ein Tag des Innehaltens und biete jedem Gelegenheit, «über Grund und Ziel seines Lebens nachzudenken».

Die Protestanten feiern den Buß- und Bettag seit 1532. Der Feiertag geht auf den Brauch zurück, in Notzeiten einen Buß-Gottesdienst abzuhalten, in dem Gott um Vergebung und Hilfe gebeten wird. Seit 1995 ist er allerdings nur noch in Sachsen gesetzlicher Feiertag. In den anderen Bundesländern wurde er zur Finanzierung der Pflegeversicherung gestrichen.

In Bayern halten trotzdem noch einige wenige Gemeinden an der Tradition fest, am Buß- und Bettag die Gemeindeverwaltung und Läden geschlossen zu halten. Dazu gehört unter anderem die Marktgemeinde Weiltingen (Landkreis Ansbach) und der Ortsteil Veitsweiler. «An der Tradition wird festgehalten. Es ist eine gute Sache, dass nicht jeder Feiertag für irgendetwas geopfert wird», begründete der Weiltinger Bürgermeister Christoph Schmidt die Haltung der Gemeinde.

Dass es den Menschen in Weiltingen am Buß- und Bettag nicht nur ums Ausschlafen geht, bestätigt auch die örtliche Gemeindepfarrerin Ingrid Braun: «An dem Tag ist der Gottesdienst sehr gut besucht.»

Ein großes Problem stellt derweil der Buß- und Bettag für Zehntausende von bayerischen Eltern dar, da an dem protestantischen Feiertag sämtliche Schulen und Kindergärten im Land geschlossen haben. In ihrer Not sind berufstätige Eltern darauf angewiesen, dass Freunde, Familienangehörige oder Nachbarn ihre Kinder betreuen.

Als Reaktion auf die schwierige Situation bieten inzwischen viele Betriebe und Behörden Mitarbeiter-Kindererlebnistage an. So veranstaltet das bayerische Justizministerium wie andere Landesbehörden am schulfreien Buß- und Bettag einen «Kindertag». Im Münchner Justizpalast warte auf knapp 60 Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren ein abwechslungsreiches Programm, hieß es. So biete ein Mitarbeiter des Hauses einen Judokurs an. Andere Gruppen besuchten Polizei und Feuerwehr, hieß es in einer Mitteilung.