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Coworking-Spaces: Rezept gegen Landflucht und Leerstand?

Bad Berneck (dpa/lby) – Coworking-Spaces vermutet man vor allem in hippen Großstadtmilieus. Doch nun ist auch im beschaulichen oberfränkischen Kurort Bad Berneck ein offenes Büro eingerichtet worden, in dem sich Interessierte einen Arbeitsplatz auf Zeit mieten können. Besonders bei Freiberuflern sind Coworking-Büros seit einigen Jahren beliebt – der Trend beschränkte sich aber vor allem auf größere Städte.

Von etwa 450 Coworking-Spaces in Deutschland seien allein 100 in Berlin, sagte Christian Cordes von der German Coworking Federation. Das Konzept könne tatsächlich ein Weg sein, um Menschen beispielsweise das tägliche Pendeln zu ersparen. Allerdings gebe es ein großes Problem: Die Internet-Verbindung auf dem Land genüge meist nicht den Anforderungen der Coworking-Kundschaft.

In Bad Berneck habe die Kommune jedoch vorgesorgt, es seien bereits Glasfaserkabel verlegt, erläuterte Verwalter Norbert Raps. Außerdem stehe für den Mobilfunk eine schnelle LTE-Verbindung zur Verfügung.

Es sei «sinnvoll und vernünftig», wenn sich Freelancer auch auf dem Land in Coworking-Spaces organisierten, sagte Stefan Rief, Leiter des Teams «Workspace Innovation» am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. Anstatt zu Hause alleine zu arbeiten, mache es häufig mehr Sinn, in einem größeren Büro «Kreativität und Austausch zu finden. Das wirkt der Isolation entgegen.»

Ein Coworking-Space könne in einer Kommune auch der Wirtschaft helfen. Bestenfalls werde das Konzept dann der Landflucht entgegenwirken und sogar Stadtbewohner aufs Land locken. Die Entwicklung sei hochspannend, betonte der Experte. Jedoch: «Das ist kein Selbstläufer.» Gerade in ländlichen Bereichen sei es wichtig, dass die lokale Akzeptanz vorhanden ist – also beispielsweise die Gemeindeverwaltung und ansässige Unternehmen mit im Boot sitzen: «Die Community muss stimmen. Dann kann etwas Tolles jenseits vom urbanen Mainsteam entstehen.»

In der 4500-Einwohner-Gemeinde Bad Berneck ist der Coworking-Space in einem früheren Geschäftsgebäude angesiedelt, das zuletzt leergestanden war. Ein Teil der Räumlichkeiten ist langfristig vermietet, ein anderer Teil kann flexibel gebucht werden – bei Bedarf auch mit Infrastruktur wie etwa Sekretariatsdienstleistungen.

Touristik-Experten in der Region verfolgen die Entwicklung im Coworking-Space gespannt. Ferdinand Reb, Chef der Tourismuszentrale Fichtelgebirge, kann sich vorstellen, dass auch in anderen Fremdenverkehrsorten der Region Räume fürs Coworking entstehen – und so Menschen ein paar Tage Freizeit oder Wellnessurlaub auch mit ihrem Job kombinieren können.