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19 Wochenstunden mehr für Bayerns G9-Abiturienten

München (dpa/lby) – Beim neuen neunjährigen Gymnasium sollen die bayerischen Abiturienten 19 Wochenstunden mehr Unterricht erhalten – verteilt auf die gesamte Laufzeit. Die Schüler hätten damit nicht nur ein zusätzliches Lernjahr mehr, sondern auch mehr Stunden, um sich auf das Abitur vorzubereiten, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Dienstag in München. Die neue Stundentafel war in den vergangenen Monaten mit den Verbänden ausgearbeitet worden.

«So können wir Studierfähigkeit, vertiefte Allgemeinbildung, Reflexionsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein bei den künftigen Absolventen sicherstellen», sagte Spaenle. Knapp ein Jahr vor dem Start des neuen G9 seien die Vorbereitungen voll im Zeitplan.

Die CSU hatte die Rückkehr zum G9, die Teil eines größeren Bildungspakets ist, im Frühjahr beschlossen. Start soll zum Schuljahr 2018/19 für die Klassenstufen fünf und sechs sein. Schüler sollen aber die Möglichkeit haben, die elfte Klasse auszulassen und weiterhin in acht Jahren zum Abitur zu kommen. Die CSU hatte mit dem G9-Beschluss einen Schlussstrich unter jahrelange Diskussionen und teils heftigen internen Streit gezogen. Der Landtag muss der Reform noch zustimmen – das ist aber eine Formsache.

«Wir können viele Fächer stärken, nicht eines wird schlechter gestellt», sagte Spaenle. Reduziert werde nur der obligatorische Nachmittagsunterricht in der Unter- und Mittelstufe – das sei ein Wunsch vieler Schüler und Eltern gewesen.

Die Stundentafel sieht unter anderem für die Grundlagenfächer Deutsch, Mathematik und die Fremdsprachen durchgängig mindestens drei Wochenstunden pro Jahrgangsstufe vor. In der völlig neu konzipierten Jahrgangsstufe 11 soll die politische Bildung fächerübergreifend gestärkt werden. Dazu sollen alle relevanten Fächer (Geschichte, Sozialkunde, Geografie, Wirtschaft und Recht) gleichzeitig angeboten werden. Zur individuellen Förderung stehen ferner sogenannte Intensivierungsstunden (drei verpflichtend, sechs freiwillig) zur Auswahl.

Darüber hinaus soll das Leitfach Informatik als eigenständiges, zweistündiges Pflichtfach in allen Ausbildungsrichtungen in der Jahrgangsstufe 11 unterrichtet werden – in den Jahrgangsstufen 5 bis 11 mit je 4 Wochenstunden. Auch die Naturwissenschaften sollen gestärkt werden: In allen Ausbildungsrichtungen wird in der Mittelstufe Chemie künftig dreistündig in der Stufe 9 unterrichtet.

Die für das Gymnasium relevanten Bildungsverbände äußerten sich überwiegend positiv zur neuen Stundentafel. «Wir Schüler begrüßen die Möglichkeit, in der 11. Jahrgangsstufe Kunst oder Musik abzulegen und somit die Fächervielfalt zumindest um ein Fach zu reduzieren», sagte Landesschülersprecherin Acelya Aktas. Jedoch hätten sich die Schüler mehr Wahlfreiheit und Vertiefungsmöglichkeiten gewünscht.

Dennoch äußerte sich der Lehrerverband skeptisch: Die neue Stundentafel lasse befürchten, dass die Taktung an den Schulen noch enger werde – für die Hauptfächer stünden nun in vielen Jahrgangsstufen weniger Wochenstunden zur Verfügung. Die Grünen im Landtag monierten, dass sich inhaltlich bis zur zehnten Klasse nichts ändere: «Die Kinder lernen also erstmal weiter wie bisher – unter dem G9 steckt bis zur zehnten Klasse das alte G8», sagte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Gehring. Zudem würden – dies kritisierten auch die Freien Wähler – die aktuellen Fünftklässler von den zusätzlichen Angeboten – mehr politische Bildung und Informatik – nicht mehr profitieren.