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Grüne: Mehr Teilzeitausbildungsplätze in Landesbehörden

München (dpa/lby) – Die Landtags-Grünen fordern von der bayerischen Staatsregierung Teilzeitausbildungsplätze in allen Landesbehörden und Ministerien. Die Staatsregierung müsse Vorbild für öffentliche und private Arbeitgeber sein, heißt es in einem Antrag der Fraktion. Nach Angaben des Arbeitsministeriums wird im öffentlichen Dienst derzeit gerade einmal eine Auszubildende in Teilzeit beschäftigt.

«Dies ist beschämend wenig und stellt die Glaubwürdigkeit aller Äußerungen der Staatsregierung, sich für eine Ausweitung der Teilzeitausbildung einsetzen zu wollen, grundsätzlich infrage», finden die Grünen. Die sozialpolitische Sprecherin Kerstin Celina sagte: «Das zeigt, wie wenig sich die CSU-Regierung bisher für die jungen Mütter und Väter interessiert hat, für die Teilzeitausbildung der beste Weg ist, Familien- und Berufspflichten zu vereinbaren.» Der Freistaat sollte auch dem Vorbild der Bundesregierung folgen und allen Teilzeitauszubildenden das volle Ausbildungsentgelt zahlen.

Seit 2005 ist die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung im Berufsbildungsgesetz verankert. Das soll vor allem Alleinerziehenden, jungen Familien mit Kindern und pflegenden Angehörigen zugutekommen. «Ausbildung in Teilzeit kann ihnen hier ein Fundament für ein eigenständiges Leben ermöglichen», hatte Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) vor wenigen Tagen erklärt.

Dennoch gab es im Jahr 2014 in Bayern lediglich 694 Ausbildungsverhältnisse in Teilzeit, wie die Grünen weiter schreiben. «Das sind nur 0,2 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.» Bundesweit lag der Anteil bei 0,4 Prozent (2259 Ausbildungsverträge in Teilzeit). Davon waren den Angaben zufolge 82 Prozent Frauen.

Im selben Jahre waren demnach andererseits gut die Hälfte aller jungen Mütter und etwa vier von zehn jungen Vätern im Alter von 16 bis 25 Jahren ohne Berufsabschluss. Sie besuchten weder eine Schule, noch absolvierten sie eine duale Ausbildung. «Offensichtlich werden also die Potenziale und Möglichkeiten in diesem Bereich bei Weitem noch nicht ausgeschöpft», erklären die Grünen.

Der Freistaat will mit 2,3 Millionen Euro neue Wege in der Teilzeitausbildung erproben. In Modellprojekten sollen junge Menschen bei der Suche nach einer Teilzeitausbildungsstelle unterstützt und nach Bedarf qualifiziert werden. Bestandteil des Projektes ist auch die Akquise und Betreuung von Betrieben, die eine Teilzeitausbildung anbieten, hatte das Arbeitsministerium jüngst mitgeteilt. Die Modellprojekte sollen voraussichtlich im nächsten Jahr in München, Augsburg, Bamberg/Forchheim, Coburg, Ingolstadt und Weiden starten.

Celina sagte: «Es wird Zeit, dass die CSU-Regierung nun endlich weitere regionale Anlauf- und Beratungsstellen für Teilzeitauszubildende einrichtet.» Wichtig sei dabei, dass die bisherigen Beratungsstellen wie der Sozialdienst katholischer Frauen in Würzburg eingebunden werden. «Sie haben das schon gemacht, als die CSU-Regierung noch weit weg war von dem Thema.»