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Kardinal Müller: Werde nie Bewegung gegen Papst anführen

Rom (dpa) – Kardinal Gerhard Ludwig Müller sorgt sich um die Einheit der Kirche, schließt einen direkten Widerstand aber aus. Es gebe Menschen in der Kurie, «die mich an der Spitze einer Bewegung gegen den Papst sehen wollen würden. Aber das werde ich niemals tun», sagte der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» (Sonntag). «Ich glaube an die Einheit der Kirche und gestatte niemandem, meine negativen Erfahrungen in den vergangenen Monaten zu instrumentalisieren.» Anfang Juli hatte Papst Franziskus die fünfjährige Amtszeit Müllers als Chef der mächtigen Kongregation überraschend nicht verlängert.

Dem früheren Regensburger Bischof zufolge gibt es aber Spannungen innerhalb der Kurie. Er mahnte, die Kirche müsse auf diejenigen hören, die «ernsthafte Fragen oder gerechtfertigte Klagen» hätten. «Andernfalls kann unbeabsichtigt das Risiko einer langsamen Trennung steigen, die in einer Spaltung münden kann.»

Müller wehrt sich immer wieder gegen die Darstellung, ein Gegner von Papst Franziskus zu sein. Kürzlich hatte er die Entscheidung des Papstes kritisiert, den nationalen Bischofskonferenzen bei der Übersetzung liturgischer Texte mehr Kompetenzen einzuräumen. Gleichzeitig verteidigte er Papst Franziskus aber gegen den Vorwurf mehrerer Kardinäle, dieser vertrete häretische – also von der Lehre abweichende – Positionen zum Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen.