© Nicolas Armer

Kulturspeicher zeigt «Kunst, die sich verändern lässt»

Würzburg (dpa/lby) – Kunstwerke zum Anfassen und Spielen stehen im Mittelpunkt der neuen Ausstellung des Würzburger Museums im Kulturspeicher. Die Exposition «Spielraum. Kunst, die sich verändern lässt» zeigt am Beispiel von 67 Werken aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren, dass das aktive Berühren der Objekte einst von den Künstlern quasi eingefordert wurde. So hängt in der Ausstellung beispielsweise ein durch eine Glasplatte geschlossener Bilderrahmen, in dem sich durch Reiben der Glasfläche Papierschnipsel elektrostatisch aufladen und bewegen. «Das Bild reagiert auf mich», sagte Frederik Schikowski am Donnerstag in Würzburg, während er mit einem weißen Handschuh über die Glasfläche wischte. Der Kunsthistoriker hat die Ausstellung, die erstmals in Deutschland zu sehen ist, mit entworfen.

Ein anderes Beispiel ist eine mannshohe Säule, die aus dreieckigen Aluminium-Lamellen besteht. Jede einzelne Lamelle kann verändert werden. «Es gibt Milliarden Möglichkeiten, wie man den Turm zusammenstellen kann», sagte Schikowski dazu. Viele Künstler wollten mit ihren Kunstwerken zu mehr Mündigkeit anregen, den Betrachter zum aktiven Mitgestalter machen. «Sie lernen, die Dinge in die Hand zu nehmen; selbst zu gestalten», erklärte Schikowski.

Trotz der gewollten Veränderlichkeit der Objekte gilt auch in Würzburg weitgehend: Anfassen verboten. Um dem Spieldrang der Besucher dennoch gerecht werden zu können, wurden Repliken von einigen Kunstwerken angefertigt. Museumsdirektorin Marlene Lauter: «Damit man auch wirklich anfassen und die Gegenstände begreifen kann».

Die Ausstellung mit Werken von 47 Künstlern ist von Samstag (3. Februar) an zu sehen. Die meist konstruktiv-konkreten Kunstwerke sind zum Großteil aus Privatbesitz, oft sogar aus dem der Künstler selbst. Das Würzburger Museum ist für seine Sammlung von Konkreter Kunst überregional bekannt und gilt für diesen Kunststil als in Deutschland führend.