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Linde-Aufsichtsratschef kritisiert IG Metall

München (dpa) – Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hat sich gegen Gewerkschaftskritik am Aufsichtsratsbeschluss gewehrt, sich mit dem US-Gasekonzern Praxair zusammenzuschließen. «Wir haben uns mit den bei Linde beschäftigten Arbeitnehmer-Vertretern längst auf eine konstruktive Zusammenarbeit geeinigt, wie es bei Linde seit jeher guter Brauch ist», sagte Reitzle dem «Handelsblatt» (Dienstag). Wer eine Mehrheitsentscheidung im Aufsichtsrat nicht akzeptabel finde, verabschiede sich vom demokratischen Grundverständnis der Gesellschaft.

Die Fusion mit Praxair war im Linde-Aufsichtsrat nur mit knapper Mehrheit beschlossen worden. Betriebsräte und Gewerkschaften hatten sich dagegen gewehrt, weil sie einen massiven Stellenabbau und den Verlust der Mitbestimmung befürchten. Gewöhnlich werden solch weitreichende Entscheidungen in deutschen Aktiengesellschaften nicht gegen die Arbeitnehmerseite getroffen. IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler hatte die knappe Entscheidung im Aufsichtsrat heftig kritisiert, da kein Konsens mit der Arbeitnehmerseite im Vorfeld gesucht worden sei.

Reitzle sagte dem «Handelsblatt», Wechsler fordere damit im Grunde eine Einstimmigkeit im Aufsichtsrat, was weder den Geist der Mitbestimmung reflektiere, noch das Eigentumsrecht der Investoren respektiere. Vielmehr werde der Anspruch erhoben, dass Gewerkschaften bestimmen können: Diese Forderung sei jedoch «absurd».