© Sven Hoppe

Seehofer warnt Union vor Überheblichkeit

Qingdao (dpa/lby) – Angesichts des zunehmenden Abstands zwischen CDU/CSU und SPD in Bundestagswahl-Umfragen hat CSU-Chef Horst Seehofer die Union eindringlich vor jeder Überheblichkeit oder Siegesgewissheit gewarnt. «Es wäre völlig fatal zu glauben, die Bundestagswahl sei jetzt schon klar», sagte Seehofer am Freitag am Rande seiner China-Reise in der Küstenstadt Qingdao. «Das ist mitnichten der Fall.» Deshalb sei Bodenhaftung so wichtig.

«In dem Moment, wo Sie glauben, Sie brauchen nicht mehr um Vertrauen kämpfen, haben Sie schon verloren», warnte der bayerische Ministerpräsident. «Und das geht innerhalb von vier Wochen, in Schleswig-Holstein ging es sogar innerhalb von zwei Wochen. Da war der sichere Sieger innerhalb von zwei Wochen geschlagen.»

Im jüngsten ARD-«Deutschlandtrend» beispielsweise hatte sich der Abstand zwischen Union (37 Prozent) und SPD (27 Prozent) zuletzt auf 10 Prozentpunkte vergrößert. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz liegt in der Kanzler-Frage zudem wieder merklich hinter Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU).

«Solche Momentaufnahmen von positiven Umfragen sind schöne Trends, aber auch nicht mehr», betonte Seehofer. «Das kann in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussehen. Ein falsches Interview, eine falsche Rede, eine falsche politische Entscheidung verändern Haltungen der Bevölkerung.» Die Bevölkerung erlaube sich immer wieder neue Urteile. «Das ist schön aus meiner Sicht, weil sich die Politik dann nicht sicher sein kann und ständig anstrengen muss.»

Seehofer warnte insbesondere davor, Schulz abzuschreiben – und zwar egal wie die Wahl in Nordrhein-Westfalen an diesem Sonntag ausgeht. «Meine Partei nimmt jeden politischen Gegner bis zur Wahl ganz ernst und respektiert auch jeden politischen Wettbewerber», sagte der CSU-Chef und betonte: «Ich bin immer dafür, dass man auf dem Teppich bleibt. Wir verzweifeln nicht, wenn die Umfrageergebnisse mal schlechter sind, wie sie am Anfang des Jahres lange Zeit waren. Und wir werben sehr dafür, dass man nicht überheblich wird, wenn die Umfragezahlen mal besser sind.»

Seehofer war am Montagabend nach China aufgebrochen und hatte dort in den vergangenen Tagen die Hauptstadt Peking sowie die bayerische Partnerprovinz Shandong besucht. Am Samstag werden er und seine Delegation wieder in München zurück erwartet.