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CSU-Machtkampf eskaliert: Aigner bringt Urwahl ins Gespräch

München (dpa/lby) – In der CSU eskaliert der Machtkampf um die Nachfolge von Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner brachte im Gespräch mit Parteifreunden eine Urwahl des Landtags-Spitzenkandidaten und sich selber als Bewerberin ins Spiel – und erntete dafür scharfen Protest.

Wie der «Münchner Merkur» und die «Bild»-Zeitung am Samstag berichteten, halte Aigner eine Urwahl für denkbar. Demnach würde sie sich auch selbst einem solchen Mitgliedervotum stellen und antreten, sollte Seehofer nicht mehr kandidieren. Sie sehe darin eine Chance, die zerstrittenen Lager in der CSU zu befrieden. Darüber habe sie zuletzt mit mehreren führenden Parteifreunden gesprochen. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Parteikreisen bestätigt.

Eine Sprecherin Aigners wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. Aigner halte sich an die Linie, bis zum Parteitag im Dezember öffentlich keine Personaldebatten zu führen, sagte sie.

Kultusminister Ludwig Spaenle wies die Idee seiner Kabinettskollegin scharf zurück. Der Vorschlag sei «ein Lehrbeispiel für politisches Leichtmatrosentum», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Jeder könne sich für alles bewerben. Aber ein solch «durchsichtiges politisches Manöver» diskreditiere das Instrument der Mitgliederbefragung. Die Idee brüskiere zudem die Landtagsfraktion, kritisierte Spaenle. Er erinnerte zudem an schlechte Erfahrungen anderer Parteien mit Urwahlen, etwa der CDU in Baden-Württemberg.

Seehofer selbst wollte die Berichte nicht kommentieren. Er beteilige sich nicht an Personaldiskussionen, «solange wir hier über die historisch wichtige Frage reden, ob eine Regierungsbildung möglich ist», sagte er vor der entscheidenden Sondierungsrunde über ein Jamaika-Bündnis in Berlin. Dies habe die CSU so vereinbart.