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Mehr Flüchtlinge in Arbeit: Bayern bundesweit Spitzenreiter

München (dpa/lby) – Immer mehr Flüchtlinge profitieren von dem seit Jahren boomenden Arbeitsmarkt in Bayern. Aktuell sind etwa 54 900 von ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – rund 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Angaben beziehen sich auf die acht wichtigsten Herkunftsländer: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

Bayern stehe damit im Vergleich mit den anderen Bundesländern besonders gut da, betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag in München und verwies auf eine weitere Zahl: Nur 5,9 Prozent der rund 820 000 Ausländer im Freistaat seien derzeit arbeitslos.

«Wir wollen Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren und haben Unternehmen, die dringend Fachkräfte brauchen», sagte Herrmann. «Das müssen wir zusammenbringen.» Die Arbeit sei neben der deutschen Sprache einer der wichtigsten Schlüssel zur Integration und «ganz entscheidend für den Zusammenhalt in der Gesellschaft». Von den rund 2,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund zwischen 15 und 65 Jahren seien derzeit mehr als 70 Prozent erwerbstätig.

Gerade in Bayern funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verbänden, Betrieben und Jobcentern besonders gut, sagte Ralf Holtzwart von der Arbeitsagentur in Bayern. «Einer allein könnte das nicht.» Insbesondere beim Thema Frauenförderung müsse jedoch noch mehr passieren. Während die Arbeitsagentur 60 Prozent der männlichen Flüchtlinge in Arbeit vermitteln könne, seien es bei Frauen gerade einmal 10 Prozent. Holtzwart erinnerte daran, dass in Bayern mehr als jeder zweite neue Arbeitsplatz mit einem Ausländer besetzt werde. Und das Wachstum hält an.

Dies bestätigt eine Studie der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw): Demnach werden im Freistaat bis 2025 etwa 350 000 Fachkräfte fehlen – besonders weil die Bevölkerung immer älter wird. Die aktuellen Zahlen bezeichnete vbw-Geschäftsführer Bertram Brossardt als erfreulich.

Auch der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) spricht von einem bayerischen «Erfolgsmodell» und verweist auf eine eigene Studie: Demnach wollen fast zwei Drittel der befragten Betriebe in den kommenden Jahren Flüchtling ausbilden und beschäftigen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet, dass im kommenden Jahr mindestens 50 Prozent der 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommenen Personen, eine Arbeit gefunden haben. Aktuell sind es deutschlandweit ungefähr 400 000 – mit steigender Tendenz. Allerdings arbeiteten viele von ihnen in Zeitarbeitsunternehmen – unter anderem im Reinigungsgewerbe, in der Gastronomie und der Landwirtschaft.

Eine Studie der Denkfabrik Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach werde bundesweit jedes dritte Beschäftigungsverhältnis in der Leiharbeitsbranche eingegangen. Die Sprung in eine reguläre Beschäftigung gelinge Flüchtlingen häufig nicht. Die Gründe seien unteranderem mangelnde Schulausbildung, fehlende Sprachkenntnisse, traumatische Erfahrungen auf der Flucht und bürokratische Hürden bei Behördengängen, Auflagen und Vorschriften.