Der Polizei-Schriftzug steht auf einem Einsatzfahrzeug., © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Angriff im Bus: Beschuldigter in Psychiatrie untergebracht

Ein 20-Jähriger will im Reisebus auf der Fahrt nach Belgrad ein bisschen schlafen, plötzlich bekommt er Schläge ins Gesicht, fällt zu Boden und wird gegen den Kopf getreten. Der Angreifer litt unter Wahnvorstellungen und wird deshalb in einer Psychiatrie untergebracht. Das entschied das Landgericht in Nürnberg am Montag. Es wertete seinen Angriff als versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Der Vorfall hatte im vergangenen September für viel Aufsehen gesorgt. Die Polizei vermutete zunächst eine bewaffnete Geiselnahme oder einen Anschlag, weil in einem Notruf von Terrorist und Pistole die Rede gewesen war. Sie rückte mit zahlreichen Kräften aus. Die Autobahn wurde bei Hilpoltstein in Mittelfranken gesperrt. Ein Spezialeinsatzkommando nahm den Verdächtigen fest.

Ein Gutachter stellte bei dem Serben später eine paranoide Schizophrenie fest. Deshalb sei er bei der Tat nicht schuldfähig gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Markus Bader bei der Urteilsverkündung. Aufgrund von Wahnvorstellungen habe der Beschuldigte geglaubt, dass das Opfer ihn töten wolle. Die Kammer hält das für glaubhaft. Denn nach der Attacke habe er tatsächlich die Tasche des Opfers nach einer Pistole durchsucht, die seiner Meinung darin versteckt gewesen sei.

Beide Männer waren in Frankfurt in den Bus gestiegen, kannten sich aber vorher nicht. Einen Streit habe es nicht gegeben, sagte Bader. Andere Fahrgäste berichteten in dem Prozess, der Beschuldigte habe gesagt, Allah habe ihm empfohlen, den anderen anzugreifen. Die Beweisaufnahme habe aber keine Anhaltspunkte für eine islamistisch motivierte Straftat ergeben, betonte Bader. «Der Vorfall beruht allein auf einer psychischen Erkrankung.»

Der 31-Jährige hatte die Schläge und Tritte in dem Prozess zugegeben. Der 20-Jährige erlitt damals unter anderem eine Gehirnerschütterung und Prellungen. Auch einer Frau schlug der Beschuldigte ins Gesicht, die dem Opfer zur Hilfe gekommen war. Zwei Ersatzbusfahrer konnten den Angreifer schließlich wegdrängen. Am letzten Prozesstag sagte er: «Ich bereue es.» Er hoffe nun darauf, eine zweite Chance zu bekommen.

Wegen seines Gesundheitszustands sei momentan zu befürchten, dass er weitere Straftaten begehe und eine Gefahr für die Allgemeinheit sei, sagte Bader. Deshalb müsse er seine Krankheit nun in der Psychiatrie behandeln lassen. In der Zukunft könne dann die Chance bestehen, dass er zu seiner Familie nach Serbien zurückkehren könne. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.