© Peter Kneffel

Autozulieferer Hörmann macht Werk Penzberg dicht

München (dpa/lby) – Der Autozulieferer Hörmann schließt sein Werk im oberbayerischen Penzberg. Die Produktion werde zum größten Teil in das neue Werk Banovce in der Slowakei verlagert, teilte das Unternehmen den 720 Mitarbeitern am Donnerstag mit. Für die 630 Stammbeschäftigten werde es einen Sozialplan geben, freie Stellen an anderen Standorten würden ihnen bevorzugt angeboten.

In Penzberg baut Hörmann Abgasrohre sowie Fahrgestell- und Rahmenteile für Lastwagen. Aber das Werk schreibe zunehmend rote Zahlen, sagte Vorstandschef Michael Radke. Wegen der geringen Stückzahlen im Lastwagenbau seien die Arbeitsprozesse schwer zu automatisieren. Nur mit weitreichenden Abstrichen vom Tariflohn sei es in den vergangenen zehn Jahren gelungen, die Arbeitsplätze zu erhalten. Standorte in der Slowakei seien jedoch doppelt so produktiv.

Das Werk Banovce wurde erst vor zwei Jahren eröffnet. Die Produktion aus Penzberg soll bis Jahresende dorthin verlagert werden, Penzberg bis spätestens Juni kommenden Jahres stillgelegt werden.

Für den Sozialplan zugunsten der 630 Stammbeschäftigten hat Hörmann 20 Millionen Euro eingeplant. Nach Angaben der IG Metall sind von der Schließung zudem 90 Leiharbeiter betroffen.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte: «Der Transformationsprozess im Automotivebereich zeigt zunehmend Auswirkungen.» Wichtig sei, dass die Beschäftigten neue Stellen bei Firmen finden, die händeringend nach Personal suchen. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Weilheim-Schongau liegt bei 2,3 Prozent.

Die Hörmann-Gruppe beschäftigt in Deutschland gut 3000 Mitarbeiter und hat ihren Umsatz 2017 auf 521 Millionen Euro, den Betriebsgewinn auf 27 Millionen Euro gesteigert. In das Werk Penzberg habe Hörmann seit 2008 gut 40 Millionen Euro investiert, ohne nur einen Euro Gewinn zu entnehmen, teilte das Unternehmen mit. Im laufenden Jahr dürfte Penzberg acht Millionen Euro Verlust machen.

In Bayern hängen rund 400 000 Arbeitsplätze an der Autoindustrie, aber die Sorgen wachsen. Audi plant den Abbau mehrerer Tausend Stellen in Ingolstadt und Neckarsulm. Die Gespräche mit dem Betriebsrat liefen, sagte eine Sprecherin.

Am Donnerstag sind in Aschaffenburg rund 600 Beschäftigte des Autozulieferer Joyson Safety Systems auf die Straße gegangen, um gegen drohenden Stellenabbau zu demonstrieren. Es drohe der Verlust von bis zu 500 Arbeitsplätzen, die Produktion des Airbag- und Lenkrad-Herstellers solle stärker nach Ungarn und Rumänien verlagert werden, sagte ein Sprecher der IG Metall. Die Gewerkschaft fordert eine Standortsicherung bis 2025 sowie einen sozialverträglichen Stellenabbau.

In Bamberg waren vergangene Woche 3000 Beschäftigte von Bosch auf die Straße gegangen, die dort Zündkerzen und Einspritzventile für Benzin- und Dieselmotoren fertigen. Bosch hat bereits vergangenes Jahr in Bamberg und im saarländischen Homburg 600 Stellen gestrichen. Der Autozulieferer Schaeffler, dessen Kupplungen und Nockenwellenversteller mit der Umstellung auf Elektroautos immer weniger gebraucht werden, hatte im März angekündigt, in Deutschland 700 Arbeitsplätze zu streichen.