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«Bairische Sprachwurzel» an Huber: Bilinguale Überlegenheit

Weyarn (dpa/lby) – Von Bairisch zu südlichem Hochdeutsch – und das oft in einem Satz: Bayerns früherer Staatskanzlei- und Umweltminister Marcel Huber (63) ist am Freitag mit der «Bairischen Sprachwurzel» ausgezeichnet worden. Der Preis geht einmal jährlich an prominente Persönlichkeiten, die öffentlich an ihrem Dialekt festhalten.

Der CSU-Politiker habe als langjähriges Mitglied der Staatsregierung mit seinem dialektalen Sprachgebrauch bei offiziellen Anlässen das mittelbairische Idiom «auf Augenhöhe mit unserer Standardsprache gebracht», sagte Vorsitzender Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache in Weyarn (Landkreis Miesbach). Damit habe Huber «als bekennende muttersprachliche Ausnahmeerscheinung unter Bayerns Landespolitikern» das Preisvergabekriterium erfüllt.

Immer wieder demonstriere der Landespolitiker die bilinguale Überlegenheit modernen Dialektsprechens gegenüber einer eingeschränkten Art des Kommunizierens in nördlichem Einheitsdeutsch, lobte der Autor, Antiquar und Honorarprofessor für Buchwissenschaft an der LMU München, Reinhard Wittmann, in seiner Laudatio.

Huber verstehe es, souverän zwischen basisdialektaler Mundart und südlichem Hochdeutsch – den beiden Ebenen der angestammten Sprachkultur in Altbayern – zu wechseln. Damit sei Marcel Huber ein Vorbild für seine bayerischen Landsleute, die häufig unter einem kulturellen Minderwertigkeitskomplex litten und norddeutsche Umgangssprache nachahmten, um nicht als provinziell zu gelten.

Obermeier sagte, Huber habe das Gäubodenvolksfest 2016 als erster Redner nach langjähriger Dialektabstinenz in seinem «Ampfinger Basisdialekt» eröffnet. Sprachpreiswürdig sei seine Pressekonferenz auf Mittelbairisch nach dem Hochwasser bei Deggendorf gewesen.

Üblicherweise verleiht der Bund Bairischer Sprache die Auszeichnung jedes Jahr während des Gäubodenvolksfestes in Straubing. Weil dieses wegen der Corona-Pandemie 2020 und 2021 ausfiel, fand die Veranstaltung heuer in Weyarn statt.

2020 hatte der Bund Bairische Sprache das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg als Ort gewählt. Dort wurde der Musiker, Liedermacher und Moderator Werner Schmidbauer ausgezeichnet.

Die «Bairische Sprachwurzel» wird seit 2005 vergeben. Zu den Preisträgern zählt auch Papst Benedikt XVI., der sie 2006 im Vatikan überreicht bekam. Ansonsten fand die Verleihung – vor der Corona-Pandemie – stets in Straubing statt.

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