Gegner des Seilbahnprojekts am Grünten im Allgäu bilden eine Menschenkette am alten Grüntenlift (Luftaufnahme mit einer Drohne)., © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

«Bergwelt» im Allgäu nach jahrelangem Streit gescheitert

Ein seit Jahren umstrittenes Projekt für eine «Bergwelt» im Allgäu ist gescheitert. Wie der Bürgermeister von Rettenberg, Nikolaus Weißinger (CSU), am Mittwoch berichtete, hat die Investorenfamilie ihre Planungen aufgegeben. Die Pläne für den Ausbau der touristischen Infrastruktur am 1738 Meter hohen Grünten hatten in der Region heftige Diskussionen ausgelöst und zu erbittertem Protest geführt.

Naturschützer begrüßten das Aus. «Einmal mehr wird am Grünten klar: Großerschließungspläne in den bayerischen Alpen stoßen auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung und lassen sich nicht mehr durchsetzen», sagte Richard Mergner, der Vorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) in Bayern.

Die Lifte an dem Berg sollten samt Gastronomie ausgebaut werden, damit Rettenberg auch künftig als Ziel von Urlaubern attraktiv bleibt. Naturschutzverbände und eine Bürgerinitiative befürchteten, dass dies mehr Tagestouristen auf den Grünten gebracht hätte.

Seit vielen Jahren werden praktisch alle Neubauprojekte im Alpenraum kritisch betrachtet. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der mit dem Ausbau der Ski-Angebote oft verbundenen Umweltbeeinträchtigung ist «Overtourism» in den Urlaubsregionen in Oberbayern und dem Allgäu, aber auch im Ausland, ein großes Thema. Es wird befürchtet, dass die Natur den Ansturm der Besucher nicht mehr verkraftet.

Nach Angaben des BN sollten am Grünten mehr als 5,5 Hektar Fläche versiegelt und 3,3 Hektar Bergwald gerodet werden. Der Verband sprach von einer «Naturzerstörung von überregionaler Bedeutung». Gegen das Bauvorhaben gab es im Herbst 2019 eine Menschenkette sowie mehr als 2000 Einwände gegen die «Grünten Bergwelt» beim Landratsamt Oberallgäu.

Laut dem Rathauschef versuchte die Gemeinde zuletzt, das Projekt durch reduzierte Planungen zu retten. Er habe «unzählige Befriedungsgespräche» mit tangierten Grundeigentümern geführt, sagte Weißinger. Letztlich habe ein Teil der Eigentümer nicht für das Projekt gewonnen werden können. «Damit ist der Grüntenlift an unserem Hausberg Geschichte geworden und wird nicht mehr laufen», bedauerte der Bürgermeister das Ende des mehr als 60 Jahre dauernden Liftbetriebs.

Der Bürgermeister forderte, dass «nach all den Jahren des Zwistes» endlich Ruhe einkehren sollte. Es sollten nun mit den Beteiligten einvernehmliche Entwicklungsmöglichkeiten für den Tourismus erarbeitet werden.

BN-Chef Mergner signalisierte bereits, dass sich sein Verband daran beteiligen werde. Es gehe darum, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaft und den Umweltorganisationen «ein naturnahes Tourismuskonzept für den Grünten zu entwickeln, bei dem die Tier- und Pflanzenwelt nicht unter die Räder kommt». Der Freistaat sollte Fördermittel für Schneekanonen und Seilbahnen lieber in solche alternativen Angebote umlenken, forderte er.