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Endlagersuche: Gorleben fliegt raus

Berlin/Hannover (dpa/lni) – Der Salzstock Gorleben ist überraschend gleich zu Beginn der bundesweiten Suche nach einem Atommüll-Endlager ausgeschieden – wegen geologischer Mängel. «Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort», sagte der Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Steffen Kanitz, bei der Vorstellung von 90 geeigneten Teilgebieten am Montag in Berlin. Große Teile Deutschlands und insbesondere Niedersachsens sind demnach nach geologischen Kriterien grundsätzlich für ein Endlager geeignet. In einigen dieser Regionen in Niedersachsen regte sich prompt Kritik.

Nach langem Ärger um Gorleben war die Endlager-Suche komplett neu gestartet worden, das Gesetz dazu gibt es seit 2013. Die Suche fängt nach der geologischen Vorauswahl aber nun erst richtig an, es gibt keine Vorentscheidung für einen Standort. In der nächsten Phase sollen die Gebiete eingegrenzt werden.

In Niedersachsen kommen für ein Endlager Teilgebiete mit zusammengerechnet 41 507 Quadratkilometern in Frage, die sich teils überlappen. Die Landesfläche beträgt 47 614 Quadratkilometern. 45 Landkreise und kreisfreie Städte sind von einem oder mehreren der 56 Teilgebiete betroffen. Geringfügig mehr Teilgebietsflächen als in Niedersachsen werden im Vergleich der Bundesländer nur in Bayern mit 41 818 Quadratkilometern ausgewiesen. Auch im Bundesland Bremen wurden 363 Quadratkilometer zumindest geologisch geeignete Gebiete benannt.

Aus den Landkreisen in Niedersachsen waren kritische Stimmen zu hören. «Wir werden in dem Verfahren nicht gefragt, wollt ihr ein Endlagerstandort sein oder nicht», meinte der Stader Landrat Michael Roesberg (parteilos). «Entsprechend wird der Landkreis Stade die Interessen seiner Bevölkerung konsequent und mit aller Deutlichkeit formulieren.»

Faktoren wie etwa die Bevölkerungsdichte wurden in der ersten Phase der Endlagersuche noch nicht beachtet – das erfolgt in weiteren Schritten. Gesucht wird der beste Ort, um hochradioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

Nach Ansicht der BGE erlaubt die Geologie in Deutschland in jedem Fall den Bau eines Endlagers. «Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen», sagte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt am Montag in Berlin. Die nun ausgewählten Regionen seien aber noch lange kein Endlagerstandort.

Politiker von Grünen, Linke und SPD bewerteten das Aus für den Salzstock Gorleben als Atomendlager als Erfolg für die Anti-Atomkraft-Bewegung. Dagegen kritisierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass der Salzstock aus dem Verfahren herausgenommen wurde.

Der Zwischenbericht stieß bei Söder auf große Skepsis. Von Bayern gebe es im Verfahren jetzt «keine Totalblockade», der Freistaat werde das Verfahren aber «sehr konstruktiv und kritisch begleiten», sagte er in München. Söder betonte, die Vorgabe, ein Endlager für eine Million Jahre sicherstellen zu können, erlaube keine Alternative zu geologischen Barrieren. Dies sei für den zerklüfteten Granit in Bayern etwa nicht ohne technische Maßnahmen machbar.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wies die Kritik am Verfahren zurück. «Es gibt in diesem Auswahlverfahren keine Extrawürste für niemanden», sagte Weil in Hannover. Das Ausscheiden des Salzstocks Gorleben habe bei vielen Menschen in der Region und darüber hinaus große Erleichterung ausgelöst: «Gorleben war das Symbol für eine Atompolitik, die existenzielle Entscheidungen ohne fachliche Expertise im Hinterzimmer ausgekungelt hat.»

In den 70er Jahren hatte die Politik die Entscheidung getroffen, im Salzstock Gorleben ein Endlager einzurichten, dies hatte jahrzehntelange Proteste ausgelöst.

In der nächsten Phase bei der Endlagersuche will die Bundesgesellschaft für Endlagerung bei einer übertägigen Erkundung Standorte ermitteln, die sie dann zur untertägigen Erkundung vorschlägt. Dies kann Jahre dauern. Nach Abschluss der untertägigen Erkundung wird für 2031 ein Vorschlag für einen Standort angestrebt. Entscheiden muss am Ende der Bundestag.