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Bildungsmonitor: Bayern meist top mit Problemen im Ganztag

München (dpa/lby) – Wenig Schulabbrecher, viele Ausbildungsstellen, hohe Bildungsausgaben – aber viel zu wenig Ganztagsbetreuung: Bayern hat nach einer Studie weiterhin eines der besten Bildungssysteme in ganz Deutschland. Der Freistaat liegt beim Bildungsmonitor 2019 hinter Sachsen auf Platz zwei und kann sich damit im Vergleich zum Vorjahr um eine Position verbessern, wie die wirtschaftsnahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Donnerstag in Berlin bekanntgab. Die Studie bewertet anhand von 93 Indikatoren in zwölf Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wirtschaftswachstum fördert. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sieht Bayern auf dem richtigen Kurs: «Unsere Schulen bieten hohe Bildungsqualität und eröffnen allen jungen Menschen sehr gute Chancen.»

Die Autoren des Bildungsmonitors lobten besonders die berufliche Bildung, bei der der Freistaat im bundesweiten Vergleich den ersten Platz belegt: Es gebe eine hohe Zahl an Ausbildungsstellen in Bayern, der Anteil unversorgter Jugendlicher sei gering, und es würden die meisten Erwachsenen an Fortbildungen teilnehmen. Auch seien die Bildungsausgaben für jeden Grundschüler sowie die Investitionsquoten an den Schulen sehr hoch, und es gebe nur wenige Schüler ohne Schulabschluss oder mit nur geringen Kompetenzen.

Großen Verbesserungsbedarf gibt es in Bayern weiterhin bei der Förderinfrastruktur – hier liegt Bayern nur auf dem drittletzten Rang. Mit 35,5 Prozent lag der Anteil der ganztags betreuten Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Bayern 2018 deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 45,9 Prozent. Kritisiert wird auch, dass Bayern 2017 mit 24,3 Prozent eine unterdurchschnittliche Quote von Ganztagsschülern im Grundschulbereich vorweisen konnte (Bundesdurchschnitt: 41,6 Prozent). Mit 18,6 Prozent war der Anteil der Schüler an Ganztagsschulen im Sekundarbereich I sogar bundesweit am niedrigsten (Bundesdurchschnitt: 44,8 Prozent).

Mit Blick auf die Kritik der Studie an der Förderstruktur erklärte Piazolo, dass das Land die Ganztagsangebote mit den Kommunen weiter «bedarfsgerecht mit erheblichen Ressourcen» ausbaue. Für eine verlässliche Betreuung der Kinder und Jugendlichen stünden neben Ganztagsschulen auch vielfältige Angebote wie eine Mittagsbetreuung und Horte zur Verfügung. Im Grundschulbereich würden aktuell rund 56 Prozent der Schüler eines der verschiedenen Angebote nutzen.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) wiederum freute sich, dass Bayern bei der Forschungsorientierung unter den besten vier Bundesländern liegt. Die Hochschulen im Freistaat seien starke Motoren für Innovation und Fortschritt, sagte er. «Hier stimmen die Voraussetzungen, damit Querdenker und Visionäre ihr Potenzial entfalten und unsere Zukunft mitgestalten können!» Je Forscher sind die Forschungsausgaben an den bayerischen Hochschulen von 109 900 Euro im Jahr 2015 auf 115 800 Euro im Jahr 2016 gestiegen. Bei der Investitionsquote an den Hochschulen liege der Freistaat mit 14,2 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,7 Prozent.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft betonte unter anderem, dass Bayern mit 5,5 Prozent den drittniedrigsten Wert der Schulabgänger ohne Abschluss erreiche. Dennoch müsse das bayerische Bildungssystem weiterentwickelt werden, forderte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt – vor allem im Bereich der digitalen Bildung. «Die IT-Ausstattung der Schulen muss aktuellen Standards der Informations- und Kommunikationstechnologien entsprechen. Schüler müssen frühzeitig die Chancen und Risiken digitaler Medien kennenlernen und den selbstbestimmten Umgang damit lernen», sagte er. «Die digitale Souveränität jedes Einzelnen muss ein zentrales Bildungsziel sein.»