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Bischöfe: Weihnachten als Fest der Hoffnung

München (dpa/lby) – Bayerns Bischöfe haben an Heiligabend festliche Christmetten sowie am ersten Weihnachtsfeiertag feierliche Gottesdienste in Präsenzform gefeiert. Angesichts harter Diskussionen, die in der Corona-Pandemie gerade auch innerhalb der Familien geführt werden, gingen die Bischöfe besonders auf das gesellschaftliche Miteinander und auf die Hoffnung ein.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, sagte, Weihnachten rege an zu einer neuen «Suche danach, was Gott bedeutet» und nach «einer Kraftquelle, die uns Hoffnung gibt für unser Leben». Hoffnung sei die wichtigste Ressource in dieser Zeit». Viele Menschen feierten Weihnachten, ohne den Gottesdienst zu besuchen oder ohne gläubig zu sein, sagte Marx. Das sei natürlich möglich. Aber: Ohne Gott fehle «der Blick auf das Ganze der menschlichen Wirklichkeit. Und es fehlt der liebende Blick auf den konkreten Menschen, besonders auf den Menschen im Leid, in Armut, in Schwäche, in Krankheit.»

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief an Heiligabend dazu auf, Weihnachten als «therapeutisches Fest» zu feiern. Gut und sinnvoll begangen entfalte die Weihnacht Heilungskräfte. «Die Botschaft vom Licht, das die finsteren Nächte unseres Lebens erleuchtet, heilt die Wunden der Einsamkeit und der Ängste», sagte er in der Christmette im Bamberger Dom. «Zu jedem Heilungsprozess gehört auch die Hoffnung, dass es besser wird. Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung.»

Bischof Bertram Meier sagte im Augsburger Dom in der Christmette: «Bei vielen Menschen ist die Stimmung eher gedrückt. Die Befindlichkeit pendelt zwischen Depression und Aggression. Wird es überhaupt einmal noch Licht?» Sein Wunsch sei es, dass das Licht der Hoffnung nicht ausgelöscht werde.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke betonte am Samstag im Ingolstädter Münster die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. «Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott», zitierte er aus dem Johannesevangelium. Sprache und Worte seien lebenswichtig, so Hanke. «Einsamkeit ohne das Wort eines anderen Menschen, wie sie in der Corona-Pandemie alleinstehende, alte Menschen oftmals durchleiden mussten, ist eine Qual.»

Von «winterlichen Zeiten» in der Gesellschaft sprach Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer. «Während der Klimawandel eine Erwärmung der Erde und ihrer Atmosphäre mit sich bringt, zeichnet sich in der Gesellschaft eher eine Eiszeit ab.» Beziehungen und Herzen seien erkaltet. Doch von Gott her komme der warme Wind, der dieses Eis bricht. Menschen wie Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern oder Helfer während der Flutkatastrophe im Ahrtal spendeten Wärme und folgten so dem Vorbild Christi.

Gott habe durch Jesus Christus «Ja» zu dieser «gebrochenen Welt» gesagt, predigte Würzburgs Bischof Franz Jung. Sein Wunsch an die Gläubigen: Angesichts einer zerrissenen Welt und vieler ungelöster Konflikte, angesichts von Leid und Tod nicht zu verzagen, sondern das göttliche «Ja» zu dieser Welt mitzusprechen. «Nur so werden wir den weihnachtlichen Frieden erlangen, im eigenen Herzen, aber hoffentlich auch in dieser Welt, die auf dieses Ja so sehnsüchtig wartet.»

Bischof Stefan Oster ging im Dom in Passau auf die weihnachtliche Friedensbotschaft ein: Dieser Friede könne den Menschen die Angst nehmen vor so vielem, auch voreinander. Die Angst vor der gegensätzlichen Meinung der anderen, über die Impfung, die Angst vor Corona, die Angst vor der Klimakrise, die Angst vor gesellschaftlichen Konflikten und sogar die Angst vor dem Tod.

Bereits am Donnerstag hatte der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einer Weihnachtsbotschaft an die Menschen appelliert, sich die kindliche Freude an Weihnachten zu eigen zu machen. Und weiter: Gott habe sich verletzlich gemacht, als er als Kind in die Welt gekommen sei. Darum stehe Gott Menschen in ihrer Verletzlichkeit zur Seite – besonders in der Pandemie. Die habe gerade bei Kindern Verletzungen hinterlassen, so Bedford-Strohm. Die «Sorge, Anspannung und Genervtheit, die von den Erwachsenen ausgeht», habe sich während der Corona-Zeit «wie eine Wolke» auf das Gemüt der Kinder gelegt. Darum müsse man auf die Stimmen der Kinder hören.

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