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BN: Nebeneinander von Wölfen und Weidetieren möglich

München (dpa/lby) – In der Debatte um die Ausbreitung von Wölfen in Bayern setzt der Bund Naturschutz (BN) auf stärkeren Herdenschutz bei Weidetieren. Die Bejagung des Wolfes sei keine Lösung, sagte BN-Wolfsexperte Uwe Friedel am Freitag. Vielmehr gelte es Weiden besser zu schützen. Wichtig sei, dass Landwirte und Nutztierhalter über Herdenschutz informiert sind und die angebotenen Möglichkeiten wie Herdenschutzhunde oder -zäune sowie Finanzausgleich für gerissene Tiere ausschöpfen.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) plant für Samstag in München eine Demonstration für den Schutz der Weidetierhaltung. Die BN-Vertreter äußerten am Freitag Verständnis dafür, kritisierten aber, dass der Wolf zum Sündenbock gemacht werden soll. «Wir sind uns alle einig, dass wir keine Risse wollen. Aber in der Art und Weise gehen wir auseinander», sagte Friedel. Ein Nebeneinander von Weidetieren und Wölfen wäre durchaus möglich.

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt und darf nicht bejagt werden. Nicht nur zwischen Naturschützern und Landwirten wird darüber gestritten, auch in der Politik herrscht Uneinigkeit beim Thema Wolf. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sprach sich jüngst für Weideschutzgebiete aus, in denen auffällige Wölfe entnommen werden dürften. Grüne und SPD dagegen setzen auf ein «Wolfsmanagement» sowie eine bessere Förderung von Schutzmaßnahmen.

In Bayern leben zehn standorttreue Rudel beziehungsweise Einzeltiere. Darüber hinaus gibt es durchwandernde Tiere. BN-Fachmann Friedel verwies darauf, dass nichtangeleinte Hunde ein größeres Problem seien als der Wolf. Zudem sei es in Bayern möglich, einen Wolf zu entnehmen, der ein Weidetier gerissen hat.

Agraringenieur René Gomringer nannte als Beispiel die Schweiz, wo selbst in alpinen Gebieten Herdenschutzzäune errichtet werden oder wo mehrere Weidetierhalter ihre Herden zusammenlegen, so dass sich die Anstellung eines Hirten lohne.

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