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Brexit treibt Handwerker um

München (dpa) – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat zum Auftakt der Internationalen Handwerksmesse in München vor schwierigen wirtschaftlichen Zeiten gewarnt. «Wir spüren bei den großen produzierenden Gewerben, die für Sie ja auch die relevanten Auftraggeber sind, eine neue Zurückhaltung», sagte er zur Eröffnung der Messe am Mittwoch. Die Probleme seien politisch hausgemacht. Als Beispiele nannte Söder den Brexit und den Handelskonflikt zwischen USA und China. Die Unklarheiten und Unsicherheiten des Brexits belasteten auch das Handwerk, hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zuvor am Rande der Messe gesagt.

Nach dem Scheitern des nachgebesserten Brexit-Deals von Premierministerin Theresa May im Parlament in London sollen die Abgeordneten an diesem Mittwochabend über einen EU-Austritt ohne Vertrag abstimmen. Sollte der No-Deal-Brexit abgelehnt werden, entscheiden die Parlamentarier am Donnerstag, ob London eine Verschiebung des Brexits beantragen soll.

Das Handwerk rechnet für das laufende Jahr gleichwohl mit erneut steigenden Umsätzen von bis zu vier Prozent für die gesamte Branche. Allerdings gehen nur 12 Prozent der Betriebe von einer Verbesserung ihrer Geschäftssituation aus. Vor einem Jahr waren es noch mehr als die Hälfte, wie aus einem Bericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hervorgeht.

Söder und Altmaier sprachen sich erneut für eine Rückkehr der Meisterpflicht in verschiedenen Handwerksberufen aus. «Ich sehe gute Chancen, dass wir in einer Reihe von Berufen die Meisterpflicht wieder einführen», sagte Altmaier. «Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe dieses Jahres zu konkreten Ergebnissen kommen.» Die Meisterpflicht war 2004 in rund 50 Gewerken abgeschafft worden. Das Thema wird im Bund diskutiert, das Handwerk hatte die Abschaffung der Pflicht seit jeher abgelehnt.

Daneben war auch der Fachkräfte- und Lehrlingsmangel ein Thema der Messe. 2018 standen erstmals mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung, als es Bewerber gab. Vor allem das Handwerk spürt diesen Trend, auch wenn die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge seit Jahren steigt. Bis zum Beginn des jüngsten Ausbildungsjahres im Oktober hatten 136 784 junge Menschen eine neue Lehrstelle und damit 1,2 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres, wie der ZDH mitteilte.

Die Gewerkschaft IG BAU forderte zum Auftakt der Messe verpflichtende Schulpraktika im Handwerk. «Beim Betriebspraktikum sollten Schüler wenigstens einmal Erfahrungen in einem Handwerksbetrieb sammeln können», sagte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Dietmar Schäfers. Eine Möglichkeit sei ein verpflichtendes Kurzpraktikum im Handwerk zwischen der siebten und zwölften Klasse.

Zugleich ließen sich Dauer und Zahl der Praktika erhöhen, damit während der Schulzeit wenigstens eine Station im Handwerk in Frage komme. «Denkbar ist eine Empfehlung der Kultusministerkonferenz, was die Pflichtpraktika in der Sekundarstufe I und II angehe», sagte der Vize-Chef der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Das Problem: Die Schülerzahlen sinken, während der Bedarf der Firmen an Mitarbeitern in der guten Konjunktur steigt. «Ein Handwerksberuf ist allemal sinnvoller und erfolgreicher als manches philologische Studium», sagte Bayerns Ministerpräsident Söder. Der ZDH äußerte sich zunächst nicht konkret zu den Vorschlägen der Gewerkschaft. Präsident Hans Peter Wollseifer bekräftigte aber am Mittwoch, die Möglichkeiten im Handwerk müssten bei jungen Menschen bekannter werden.

Bis Sonntag präsentieren in München rund 1000 Aussteller aus über 60 Gewerken ihre Produkte und Antworten etwa auf die Digitalisierung.