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«Digitales Schaufenster»: Virtuelle Hochschule öffnet sich

Bamberg (dpa/lby) – Online-Kurse für alle: Gut einen Monat nach einer Öffnung der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) für die breite Öffentlichkeit ist die Leitung zufrieden mit dem Start. Rund 2000 Nutzer hätten sich in den ersten Wochen für neue Online-Kurse der sogenannten Open vhb eingeschrieben, sagte vhb-Präsident Godehard Ruppert. Das sei ein guter Schnitt und entspreche der Größenordnung, die die vhb bei ihrer Gründung vor knapp 20 Jahren gehabt habe.

Studieren ganz ohne überfüllte Seminarräume, stattdessen gemütlich und zeitlich flexibel von zu Hause aus: Das ist die Idee der vhb, einem Verbund von 31 Universitäten und Hochschulen im Freistaat. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 bietet sie – staatlich gefördert bei einem Jahresbudget von rund sechs Millionen Euro – kostenfreie, digitale Kurse als Ergänzung zu einem Präsenzstudium für eingeschriebene Studenten. Inzwischen hat die vhb nach eigenen Angaben rund 62 000 Nutzer. Anfang Juli gab sie den Startschuss für das Projekt Open vhb. Damit öffnete sich der Verbund für Menschen, die nicht an Hochschulen immatrikuliert sind.

Ruppert zufolge richtet sich das ebenfalls kostenfreie neue Angebot an Schulabgänger, die in ein Fach reinschnuppern, Studenten, die sich umorientieren, sowie Berufstätige, die sich fortbilden wollen. «Die ersten beiden Gruppen sind uns sehr wichtig, aber mengenmäßig wird der Schwerpunkt wohl bei der Weiterbildung liegen», sagte Ruppert, der zugleich Präsident der Universität Bamberg ist. Wissenschaft sei nicht nur Forschung und Lehre, sondern auch eine Dienstleistung für die ganze Gesellschaft. «Deswegen sind die breite, wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit und Weiterbildung unsere Hauptziele.»

Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) sieht in der Open vhb ein «digitales Schaufenster» der bayerischen Hochschulen und einen «wertvollen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in unserem Land». Denn damit habe jeder die Möglichkeit, sich zu einem breiten Themenspektrum Kenntnisse auf Hochschulniveau anzueignen. «Lebenslanges Lernen gewinnt heutzutage immer mehr an Bedeutung», sagte er auf Anfrage. Dafür sei die Open vhb genau richtig: flexibel, ohne Zeitdruck und je nach Interesse nutzbar.

Aus 21 digitalen Kursen können die Nutzer in der Anfangsphase auswählen. Das Spektrum ist breitgefächert: Finanzmanagement und Zellbiologie stehen ebenso auf dem Programm wie Kurse über die Nutzung von Social Media oder zu Stressmanagement; manche der Seminare werden auf Englisch gehalten. Zwischen 9 und 45 Stunden gibt die vhb für den jeweiligen Arbeitsaufwand an.

Jedes Semester sollten Angebote hinzukommen, sagte Ruppert. Ziel sei aber nicht, rasch auf mehrere Hundert Kurse zu kommen, sondern auf die Qualität zu achten. «Unsere Kurse sind mit dem Stempel versehen: «wissenschaftliche Qualität geprüft by bayerische Hochschulen»». Die Seminare werden von Experten der beteiligten Hochschulen entwickelt.

Zudem werde regelmäßig geprüft, welche Angebote verbessert oder aus dem Programm genommen werden sollten. Ruppert geht davon aus, dass künftig vor allem medizinische Angebote sowie Themen rund um die Nutzung von Medien und um aktuelle Debatten – wie derzeit Klimawandel und Nachhaltigkeit – stark nachgefragt werden dürften.