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Diözesanrat kritisiert Urteil gegen Ordensschwester

Würzburg (dpa/lby) – Nachdem eine Ordensschwester in einem Kirchenasyl-Prozess wegen Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt juristisch verwarnt worden ist, hat der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg Kritik geäußert. «Die Verurteilung von Menschen, die anderen Menschen in Not helfen, ohne dass Dritte zu Schaden kommen, stimmt uns sehr nachdenklich und traurig», heißt es in einem Schreiben vom Freitag.

Es sei die «ureigenste christliche Verantwortung», Menschen beizustehen, die Schutz suchen. Im ersten Paragrafen des Grundgesetzes sei der Schutz der Menschenwürde allem staatlichen Handeln vorgeschaltet, so das Bistum weiter.

Die Oberzeller Franziskanerinnen hatten in den Jahren 2019 und 2020 jeweils eine Nigerianerin ins Kloster in Zell am Main (Landkreis Würzburg) aufgenommen. Die Frauen waren nach Angaben des Klosters von Menschenhändlern geflohen, die sie zur Prostitution gezwungen hatten. Bei einer Rückführung hätten Menschenrechtsverletzungen, Zwangsprostitution und Verelendung gedroht.

Die Menschenrechtsbeauftragte des Klosters musste am Mittwoch wegen beider Fälle vor Gericht. Ein Kirchenasyl-Fall wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen offener Fragen vorläufig eingestellt. In dem anderen Fall wurde gegen die 38-Jährige wegen Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt eine Verwarnung mit Strafvorbehalt ausgesprochen. Als Auflage muss die Ordensschwester 500 Euro zahlen. Wenn sie innerhalb von zwei Jahren gegen ihre Bewährungsauflagen verstößt, droht ihr zudem eine Strafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft «Asyl in der Kirche» und die Grüne Jugend Würzburg forderten nach dem Urteil eine «Entkriminalisierung von Kirchenasyl».

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