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Erzbistum München: Keine Folgen aus Gutachten-Rückzieher

München/Köln (dpa/lby) – Nach der Entscheidung des Erzbistums Köln, ein bei einer Münchner Anwaltskanzlei in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten nicht zu veröffentlichen, zieht das Erzbistum München und Freising vorerst keine Konsequenzen. Die bayerischen Katholiken hatten bei der betroffenen Kanzlei Anfang des Jahres ebenfalls ein Gutachten zum sexuellen Missbrauch durch Priester in Auftrag gegeben und nach Bekanntwerden der Kölner Entscheidung vergangene Woche eine Stellungnahme eingefordert.

In der Zwischenzeit habe man die beiden Pressemitteilungen der Kanzlei zur Kenntnis genommen, berichtete ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Das Erzbistum erwarte «nach wie vor ein rechtssicheres, methodisch einwandfreies und belastbares Gutachten».

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte die Entscheidung, die Ergebnisse des dortigen Gutachtens nicht zu veröffentlichen, mit erheblichen Mängeln begründet und die Prüfung rechtlicher Schritte angekündigt. Die Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl wies die Vorwürfe zurück. Aus ihrer Sicht könne das Gutachten jederzeit veröffentlicht werden, damit sich die Öffentlichkeit selbst ein Bild machen könne, teilten die Anwälte in einer ersten Reaktion mit – um wenig später nachzulegen, dass die Kritik aus Köln auf einem «grundlegenden methodischen Fehler» basiere.

Die Münchner Diözese hatte bereits vor zehn Jahren für ein nie veröffentlichtes Gutachten mit der Kanzlei zusammengearbeitet. Das neue Gutachten soll darauf aufbauen, die Jahre 1945 bis 2019 untersuchen, bis in die Kirchenspitze reichen und – anders als beim letzten Mal – auch veröffentlicht werden, wie Generalvikar Christoph Klingan im Februar versprach.