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«Freund der Deutschen»: Ex-Präsident George H. W. Bush tot

Houston/Buenos Aires (dpa) – Der frühere US-Präsident George H. W. Bush ist tot. Er starb am Freitagabend um 22.10 Uhr Ortszeit im Alter von 94 Jahren, wie ein Sprecher der Familie in der Nacht zum Samstag via Twitter mitteilte.

Weltweit wurde der Tod mit Trauer aufgenommen. Als «wahren Freund» der Deutschen würdigten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel den Verstorbenen.

Bush senior saß von 1989 bis 1993 als 41. Präsident der USA im Weißen Haus in Washington. Zuvor diente der Republikaner acht Jahre unter Präsident Ronald Reagan als Vizepräsident. Bushs Sohn George W. Bush war von 2001 bis 2009 Präsident.

Präsident Donald Trump erklärte den kommenden Mittwoch zum Nationalen Trauertag und rief die Amerikaner in einer amtlichen Bekanntmachung dazu auf, «sich an diesem Tag in ihren jeweiligen Gotteshäusern zu versammeln und dort dem Andenken von Präsident George H. W. Bush Ehre zu erweisen». Trump ordnete zudem an, die Flaggen am Weißen Haus, an allen öffentlichen Gebäuden in den USA und an US-Vertretungen sowie Militärbasen im Ausland für 30 Tage auf halbmast zu setzen.

Steinmeier und Merkel schickten Kondolenzschreiben an Trump. «Ohne das Vertrauen und die Freundschaft der Vereinigten Staaten und ihres Präsidenten
», betonte Steinmeier. Merkel nannte Bush senior einen «Glücksfall der deutschen Geschichte» und würdigte dessen Rolle für das transatlantische Verhältnis.

Am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires äußerte sich Merkel bewegt über die Todesnachricht. Sie trauere um George Bush, «als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und als eine Deutsche, die ohne die Ergebnisse seiner Politik heute wohl kaum hier stehen könnte», sagte Merkel in der argentinischen Hauptstadt.

Merkel sprach von Hochachtung und Dankbarkeit. «Dankbarkeit, dass George Bush unsere Sehnsucht nach der Einheit Deutschlands erkannte und verstand. Dankbarkeit dass er, als die friedliche Revolution in der DDR die Mauer zu Fall brachte, uns Deutschen half, den Weg in die Wiedervereinigung zu gehen.» Zum Nachlass von Bush gehöre auch die Erkenntnis, dass es sich lohne, im internationalen Verhältnis Vertrauen zu schaffen und Vertrauen zu schenken.

Außenminister Heiko Maas erklärte, Bush habe ohne Vorbehalte und von Beginn an die deutsche Einheit unterstützt. «Das werden wir nie vergessen», erklärte Maas.

Sein Sohn George W. Bush äußerte große Dankbarkeit: George H. W. Bush sei der beste Vater gewesen, den man sich als Sohn oder Tochter habe wünschen können, hieß es in einer Erklärung. Die gesamte Familie sei zutiefst dankbar für dessen Leben. Der zweitälteste Sohn Jeb Bush schrieb auf Twitter, nichts habe seinem Vater mehr Freude bereitet, als anderen zu helfen.

George H. W. Bush musste in den vergangenen Jahren immer wieder im Krankenhaus behandelt werden. Vor rund zweieinhalb Jahren brach er sich bei einem Sturz in seinem Ferienhaus einen Halswirbel. Zuletzt saß er im Rollstuhl. Erst im April dieses Jahres war seine Frau Barbara gestorben. Die beiden waren 73 Jahre verheiratet. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, von denen eines im Alter von drei Jahren gestorben war.

Auch Trump würdigte seinen Vorgänger. Durch seine Authentizität, seinen Witz und sein unerschütterliches Bekenntnis zu Glauben, Familie und das Land habe er Generationen von Amerikanern zum Dienst für die Allgemeinheit inspiriert, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. «Mit einem zuverlässigen Urteilsvermögen, gesundem Menschenverstand und einer unerschütterlichen Führung brachte Präsident Bush unsere Nation und die Welt zu einem friedlichen und siegreichen Abschluss des Kalten Krieges», hieß es weiter. Bei allem, was er vollbracht habe, sei er stets demütig geblieben.

Trump sagte aus Respekt vor der Familie von Bush seine Pressekonferenz zum Abschluss des G20-Gipfels ab. Trump und First Lady Melania Trump würden an der Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington teilnehmen, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders.

Dem Historiker Mark Updegrove zufolge hatte George H. W. Bush keine gute Meinung von Donald Trump und wählte ihn im November 2016 auch nicht – obwohl Trump der Kandidat seiner republikanischen Partei war. Der Trauerfeier für Barbara Bush im April war Trump ferngeblieben. Der Präsident ließ damals ausrichten, «aus Respekt vor der Bush-Familie» nicht teilnehmen zu wollen.

Auch die Demokraten würdigen den verstorbenen Republikaner. In einer Erklärung von Ex-Präsident Barack Obama und Michelle Obama hießt es, Amerika habe einen «Patrioten und bescheidenen Diener» verloren. Der demokratische Ex-Präsident Bill Clinton, dem Bush im Präsidentschaftswahlkampf 1992 unterlegen war, dankte Bush für dessen Freundschaft. Auch Jimmy Carter (94) zeigte sich «zutiefst traurig» über den Tod von Bush.

Auch weltweit war die Anteilnahme am Tod von Bush groß. Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow nannte Bush einen «echten Partner», mit dem er in einer «dramatischen Zeit» zusammengearbeitet habe. «Das Ergebnis war die Beendigung des Kaltes Krieges und des Rüstungswettlaufs», sagte der 87-Jährige der Agentur Interfax. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hob hervor, Bush habe die Allianz mit Europa immer unterstützt. Die britische Premierministerin Theresa May schrieb auf Twitter, Bush sei ein echter Freund Großbritanniens gewesen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verwies auf das Engagement von Bush für Frieden im Nahen Osten und die Sicherheit Israels.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hob Bushs Rolle bei der Einigung Europas hervor. UN-Generalsekretär António Guterres würdigte Bushs Wirken für die Vereinten Nationen, die er mit Hingabe unterstützt habe. Russlands Präsident Wladimir Putin lobte «Mut und Weitsicht» des Verstorbenen. «George Bush der Ältere hat viel getan, um die russisch-amerikanische Zusammenarbeit in Fragen der internationalen Sicherheit zu stärken», schrieb Putin.

Aus George H. W. Bushs Amtszeit ist auch der Krieg zur Befreiung Kuwaits 1991 von irakischen Truppen in Erinnerung.