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Trump-Vertraute im Visier der US-Justiz

Alexandria/New York (dpa) – Ein Schuldspruch für Donald Trumps früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort und ein Geständnis seines früheren Anwalts Michael Cohen haben US-Präsident Donald Trump in Erklärungsnot gebracht.

Cohen brachte Trump
. Dem Geständnis des Ex-Anwalts zufolge soll Trump an Schweigegeldzahlungen an Frauen beteiligt gewesen sein. Das Geld soll gezahlt worden sein, um Schaden vom Wahlkampf des damaligen Präsidentschaftskandidaten abzuhalten. Es wäre damit ein Wahlkampfbeitrag, der strengen gesetzlichen Vorschriften unterliegt.

Trump bestritt am Mittwoch, dass es sich dabei um eine Straftat handelt. «Michael Cohen bekennt sich in zwei Fällen der Verletzung von Vorschriften der Wahlkampffinanzierung für schuldig, die keine Straftaten sind», schrieb Trump auf Twitter. In einem Interviewauszug des Senders Fox News erklärte Trump zudem, er habe von den Zahlungen an die Frauen erst «im Nachhinein» erfahren.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte, der Präsident habe nichts Falsches getan. Es gebe keine Anklage gegen ihn. Trump sei auch nicht besorgt über mögliche Aussagen Cohens, denn er wisse, dass er nichts falsch gemacht habe.

Der republikanische Parteistratege Matt Schlapp sagte, nur wenn es sich um Straftaten handele, könnten die Demokraten Trump die Beteiligung daran vorwerfen und hätten somit eine Chance auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Die Einleitung eines solchen Verfahrens muss von der Mehrheit des Abgeordnetenhauses beschlossen werden. Gegenwärtig halten Trumps Republikaner die Mehrheit der Abgeordneten. Nach den Parlamentswahlen am 6. November sehen die Demokraten jedoch eine gute Chance, dies zu ändern – in Umfragen liegen sie vorn. Trumps früherer Berater Steve Bannon sagte deshalb am Mittwoch: «Die Wahlen im November werden zu einem Referendum über ein Amtsenthebungsverfahren.» Ein solches Verfahren könnte die weitere Präsidentschaft Trumps massiv hemmen.

Parallel zu Cohens Anhörung in New York erklärte eine Jury in Alexandria bei Washington Trumps früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort für schuldig. Sowohl er als auch Cohen müssen mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen.
. Im Gegensatz zu Cohen habe er keine Geschichten erfunden, um ein günstigeres Strafmaß zu erwirken. «Paul Manafort und seine wunderbare Familie tun mir sehr leid», schrieb Trump auf Twitter. Er bezichtigte Cohen damit indirekt der Lüge.

Der Schuldspruch gegen Manafort ist die erste Verurteilung, die direkt aus den Untersuchungen des Sonderermittlers in der Russland-Affäre, Robert Müller, hervorgeht. Mehrere weitere Vertraute Trumps, darunter sein ehemaliger Sicherheitsberater Michael Flynn, haben sich schuldig bekannt oder stehen unter Anklage.

Wie groß der politische Schaden für den Präsidenten sein wird, war zunächst nicht abzusehen. Juristen sind sich uneinig, ob Trumps Beteiligung an Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen ausreichen, um den Präsidenten strafrechtlich belangen zu können. Die Zahlungen sollen während des Wahlkampfes 2016 an die Ex-Pornodarstellerin Stormy Daniels und das Ex-Playmate Karen McDougal gegangen sein und waren Cohen später von Trump erstattet worden. Selbst wenn Cohen mit den Zahlungen Straftaten begangen hat, ist strittig, ob auch Trumps mögliche Beihilfe dazu einen Verstoß gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung darstellen. Für Kandidaten selbst gelten unter Umständen andere Regelungen als für deren Personal.

«Die Botschaft des heutigen Tages ist: Gesetze müssen eingehalten werden», sagte der New Yorker Staatsanwalt Robert Kuzhami am Dienstag. Cohen habe versucht, sich über das Gesetz zu stellen, und müsse nun einen hohen Preis zahlen. Cohen bekannte sich in insgesamt acht Fällen für schuldig, nachdem er vorher mit der Justiz einen Deal ausgehandelt hatte. Neben den Verstößen gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung räumte er auch Steuervergehen ein.

In dem Prozess gegen Manafort befand eine Jury den 69-Jährigen in 8 der 18 Anklagepunkte für schuldig – unter anderem wegen Steuerhinterziehung, Bankbetrugs und des Verschweigens von Auslandskonten.

Manafort droht eine Haftstrafe, die ihn für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen könnte. Die Höchststrafe für die acht Anklagepunkte, in denen er für schuldig befunden wurde, beträgt zusammen 80 Jahre Gefängnis. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, den Finanzbehörden Einkünfte in Millionenhöhe verschwiegen zu haben, die er als politischer Berater in der Ukraine erzielt hatte. Außerdem soll er Banken belogen haben, um Kredite in Höhe von 20 Millionen US-Dollar (17 Millionen Euro) zu bekommen.

Das Verfahren gegen Manafort war das erste, das sich im Zuge der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller ergeben hat. Allerdings haben die Vorwürfe nicht mit dem Kern von dessen Ermittlungen zu tun – dort geht es um die Frage, ob es im US-Wahlkampf 2016 Absprachen des Trump-Lagers mit Russland gab. Trump nennt Muellers Untersuchungen eine «Hexenjagd».

Manafort leitete von Juni bis August 2016 den Wahlkampf des Republikaners. Der Lobbyist und Politikberater war dabei unter anderem für den Parteitag zuständig, auf dem sich Trump die Nominierung seiner Partei sicherte. Manafort ist ein langjähriger Berater der konservativen US-Republikaner. Er hatte zuvor bereits für andere Präsidenten gearbeitet, darunter Ronald Reagan und George Bush. Der 69-Jährige muss sich ab September in einem weiteren Prozess verantworten.