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«Fabienne» sorgt für Tausende Einsätze und viele Schäden

München (dpa/lby) – Sturmtief «Fabienne» hat in der Nacht zu Montag viele Schäden in Bayern angerichtet. Der erste schwere Herbststurm in diesem Jahr forderte auch ein Todesopfer. Auf einem Campingplatz im Landkreis Bamberg wurde eine 78-Jährige am Sonntag von einem Baum erschlagen, wie die Polizei mitteilte. Sie erlitt schwerste Verletzungen und starb noch an der Unfallstelle.

Auch im Bahnverkehr gab es Probleme. Pendler spürten die Auswirkungen noch am Montagmorgen: Auf den Strecken zwischen Crailsheim (Baden-Württemberg) und Ansbach sowie Crailsheim und Aschaffenburg war wegen defekter Oberleitungen zunächst kein Bahnbetrieb möglich. Die Strecken zwischen Nürnberg und Regensburg, zwischen Ingolstadt und Donauwörth sowie zwischen Plattling und Landshut waren ebenfalls gesperrt. «Der Sturm hat im Norden und in der Mitte Bayerns große Teile unserer Infrastruktur beschädigt», sagte ein Bahn-Sprecher.

Die S1 in Richtung Flughafen wurde in der Nacht bei München-Feldmoching von einem Blitz getroffen und war danach außer Betrieb. Der Bereich musste durch die Feuerwehr geerdet werden. Erst dann konnten rund 125 Reisende die S-Bahn verlassen. Wegen der Oberleitungsschäden war am Montagvormittag weiterhin kein Fahrbetrieb möglich. Am Nürnberger Hauptbahnhof saßen wegen der vielen Streckensperrungen zeitweise 600 bis 700 Passagiere fest.

Das Sturmtief hielt auch die Verantwortlichen des Münchner Oktoberfests in Atem. Einige Fahrgeschäfte stellten am Sonntagabend vorsorglich zeitweise ihren Betrieb ein.

In der Oberpfalz rückte die Polizei wegen des Sturms nach eigenen Angaben zu 330 Einsätzen aus. Bei einem Fest in Neumarkt stürzte ein Baum auf ein Festzelt, sechs Besucher wurden verletzt. Bei Verkehrsunfällen erlitten drei Menschen Verletzungen. Der Zugverkehr in der Oberpfalz wurde zeitweise komplett eingestellt.

In Unterfranken wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 135 Stundenkilometern gemessen. Durch ein umherwirbelndes Trampolin in Veitshöchheim (Landkreis Würzburg) wurden das Dach eines Hauses und zwei Autos beschädigt. Den Schaden bezifferte die Polizei auf mehr als 10 000 Euro. Besonders betroffen war in Unterfranken die Region Großostheim. Dort warf der Sturm sogar einen 320 Tonnen schweren und 25 Meter hohen vollautomatischen Schwimmgreifer eines Kieswerks um. Der Schaden geht in die Millionen. Auf dem Flugplatz Großostheim wurde ein Sportflugzeug umgeweht. Dadurch lief Kraftstoff aus. Zudem wurden viele Dächer abgedeckt. Feuerwehren aus hessischen Nachbarlandkreisen kamen zu Hilfe.

In Mittelfranken zählte die Polizei rund 1100 Einsätze wegen des Sturms. Es kam zu zahlreichen Unfällen durch umgestürzte Bäume. In Erlangen hatte eine Frau großes Glück: Als sie mit ihrem Auto unterwegs war, stürzte ein Baum auf ihr Fahrzeug. Die Frau blieb aber unverletzt.

In Oberfranken zerstörte der Sturm im Wildpark Hundshaupten die Uhu-Voliere komplett. Der Park blieb am Montag geschlossen. Er soll vermutlich erst wieder am Mittwoch öffnen. Im Landkreis Lichtenfels wurde ein Festzelt von einer Windhose erfasst. Kleine Metallstangen rissen dadurch vom Zeltrahmen und trafen zwei Männer. Beide erlitten Prellungen und Schürfwunden. Der Stadtförster und Revierleiter der Stadt Forchheim, Stefan Distler, riet dringend davon ab, «in den nächsten Tagen Waldspaziergänge zu unternehmen». Es bestehe Gefahr für Leib und Leben. Ähnliche Warnungen gab es für viele andere Wälder in Nordbayern.

Wegen des Sturms waren zahlreiche Haushalte im Freistsaat am Sonntagabend ohne Strom. Die unterfränkische Gemeinde Untersteinach konnte erst am Montagmorgen wieder ans Netz genommen werden, wie ein Bayernwerk-Sprecher berichtete.

«Fabienne» verursachte zudem Schäden in den Schlossgärten in Ansbach, Aschaffenburg, Ellingen, Rödental, Veitshöchheim und Würzburg. Die Hofgärten Ansbach, Würzburg und Veitshöchheim sowie der Schlossgarten Aschaffenburg müssten zur Aufarbeitung der Sturmschäden und zur Kontrolle der Bäume bis auf Weiteres aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben, teilte die Bayerische Schlösserverwaltung mit.

Laut Deutschem Wetterdienst wird es die kommenden Tage wieder deutlich freundlicher. Der Prognose nach soll sich im Süden Deutschlands die Sonne durchsetzen und es trocken bleiben.