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«Club kann Drama»: Nürnberger Sieg als Wendepunkt?

Nürnberg (dpa/lby) – Der Wahnsinn beim «Club» ist zurück. Nach einer irren Schlussphase hat der 1. FC Nürnberg seinen freien Fall in der 2. Bundesliga gestoppt und beim SV Darmstadt seinen Ruf als Spezialist für großes Fußball-Drama aufgefrischt. «Das ist der Club. Der Club kann Drama gut. Und immer wenn Drama ist, ist anscheinend auch der Schleuse dabei», sagte Trainer Robert Klauß nach den verrückten finalen Minuten beim 2:1 (0:0) am Samstag.

Einer der Protagonisten des erlösenden ersten «Club»-Dreiers 2021 nach zuvor sechs sieglosen Partien war Fabian Schleusener. Mit seinem Treffer zum 1:3 in der Nachspielzeit des Relegationsrückspiels gegen den FC Ingolstadt im vergangenen Sommer hat sich der Stürmer in Franken Heldenstatus erworben.

Danach traf er nur noch einmal – eben in Darmstadt. «Das ist gerade ein super Gefühl. Ich musste lange auf das Tor warten», sagte der spät eingewechselte Schleusener. «Schleuse sind tausend Steine vom Herzen gefallen, dass er uns so helfen konnte», sagte Klauß über den Joker, der in der 76. Spielminute zum 1:0 traf. «Die Mannschaft hat sich unfassbar für Schleuse gefreut», berichtete der Trainer.

Erst nach Schleuseners Tor wurde es aber richtig wild. Torwart Christian Mathenia bekam kurz vor dem Schlusspfiff eine Flanke nicht zu fassen. «Ich muss den Ball wegboxen», gestand er später. Den anschließenden Schuss von Aaron Seydel wehrte Oliver Sorg im Strafraum ab – der FCN-Verteidiger wurde daraufhin wegen eines fragwürdigen Handspiels mit Rot vom Platz geschickt. Den Elfmeter verwandelte Fabian Holland zum Ausgleich (90.).

Es war aber noch nicht Schluss! Einen weiten Abschlag von Mathenia köpfte der Darmstädter Nicolai Rapp in der Nachspielzeit über seinen Schlussmann Marcel Schuhen hinweg ins eigene Tor. Wahnsinn! «Am Ende des Tages wurden wir von einem da oben erhört», meinte Mathenia.

Klauß wollte nicht fußballreligiös werden. «Die Mannschaft hat sehr großen Charakter gezeigt, sehr viele Emotionen in dieses Spiel reingelegt», lobte er seine Mannschaft nach einem sehr irdischen Willensakt. «In den letzten Wochen waren wir oft der Baum, heute waren wir mal der Hund. Das akzeptieren wir und freuen uns darüber.»

War das nun die Wende für die Nürnberger? «Das wird sich zeigen. Das war auf jeden Fall das Tor, das den Trend gestoppt hat», urteilte Klauß nach dem sechsten Saisonsieg. «Es kann sicher dieser Moment sein. Das werden wir aber erst in zwei, drei, vier Wochen beantworten können, wenn wir die nächsten Spiele absolviert haben.»

Die nächste Aufgabe ist zu Hause der FC St. Pauli, der sich mittlerweile stabilisiert hat. Dann muss Klauß wohl gleich auf seine beiden Rechtsverteidiger Sorg und Enrico Valentini verzichten, der wegen einer Muskelblessur für Sorg ausgewechselt werden musste.

Klauß mahnte vor dem Heimspiel gegen die Hamburger: «Wir dürfen nicht den Fehler machen und mit uns selber sehr zufrieden sein und sagen: Jetzt haben wir’s gestoppt und jetzt geht’s in die andere Richtung.» Vorhersehbar ist beim «Club» schließlich wirklich nichts.

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