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Flächen von 17 Fußballfeldern pro Tag werden verbaut

Fürth (dpa/lby) – Der umstrittene Flächenverbrauch in Bayern steigt. Für Siedlungs- und Verkehrszwecke im Freistaat sind im vergangenen Jahr im Schnitt 11,7 Hektar Fläche pro Tag verbraucht worden. Das entspricht fast der Größe von 17 Fußballfeldern, wie das Statistische Landesamt in Fürth am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr lag der Flächenverbrauch pro Tag bei 9,8 Hektar.

Das Landesamt betonte, dass der Flächenverbrauch nicht mit einer Versiegelung der Landschaft gleichzusetzen sei. Siedlungs- und Verkehrsflächen umfassten demnach auch zahlreiche Grün- und Freiflächen. Insgesamt dienten damit Ende 2017 zwölf Prozent der Gesamtfläche des Freistaats Siedlungs- und Verkehrszwecken.

36 Prozent der im vergangenen Jahr verbauten Fläche wurden für Wohnbau sowie als Industrie- und Gewerbegebiete genutzt. Verkehrsflächen – darunter Straßen, Plätze, Zugstrecken und Flughäfen – machten rund 39 Prozent aus. Die restlichen Flächen wurden unter anderem als Freizeit- und Sportanlagen genutzt, darunter auch Parks und andere Grünanlagen.

Den höchsten Flächenverbrauch in nur einem Jahr zählten die Statistiker mit 1332 Hektar in Oberbayern. In Oberfranken waren es 207 Hektar, der geringste Wert aller Regierungsbezirke.

Der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann, sprach von einer zunehmenden Zerstörung der bayerischen Natur und gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Schuld an der Entwicklung: «Verantwortlich ist alleine die verfehlte Politik des früheren Heimatministers und jetzigen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er hat wichtige Regelungen der Landesplanung aufgeweicht und so die ungebremste Ausweisung von Gewerbegebieten überall im Land vorangetrieben.» Hartmann forderte eine verpflichtende Höchstgrenze.

«Das hemmungslose Zubauen muss gestoppt werden», erklärte Florian von Brunn, Umweltpolitiker in der SPD-Landtagsfraktion. Es brauche eine geordnete Landesplanung. Er warte gespannt auf die Vorschläge der neuen Staatsregierung. Der Bund Naturschutz griff die bisherige Landesregierung an: «Der Sündenfall der letzten bayerischen Staatsregierung war die Änderung des Landesentwicklungsprogramms», erklärte der Landesvorsitzende Richard Mergner. Die darin enthaltenen Ausnahmen hätten «dem Flächenverbrauch Tür und Tor geöffnet».

Die Höhe des Flächenverbrauchs ist seit Jahren ein Streitthema in der Landespolitik. Die Grünen hatten im vergangenen Sommer mit anderen Parteien und Umweltverbänden ein Volksbegehren gegen den steigenden Flächenverbrauch gestartet. Das Bündnis hatte bis März dieses Jahres fast 50 000 Unterschriften gesammelt, scheiterte aber vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof. Durch die Ziele des Volksbegehrens würde die kommunale Planungshoheit unzulässig eingeschränkt, erklärten die Richter.

In ihrem Koalitionsvertrag haben sich CSU und Freie Wähler verständigt, den Flächenverbrauch deutlich und dauerhaft zu senken. Als «Richtgröße» sollen fünf Hektar pro Tag angestrebt werden, gemeinsam mit den Kommunen. Von einer gesetzlichen Begrenzung, die die Grünen fordern, ist allerdings nicht die Rede.