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CSU-Ministerin: Strukturen in Partei und Politik verändern

München (dpa/lby) – Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) wünscht sich mehr Familienfreundlichkeit auf allen politischen Ebenen. Um mehr junge Leute und vor allem Frauen für die Parteiarbeit zu gewinnen, «glaube ich, dass wir gewisse Formate einfach verändern müssen», sagte Gerlach der Deutschen Presse-Agentur in München. «Wir brauchen auf jeder politischen Ebene eine größere Offenheit, Dinge zu verändern, Bestehendes zu hinterfragen und Veranstaltungsformate zu modernisieren», erklärte Gerlach.

Generell sei ihre Partei jedoch keine Partei der alten Herren. «Ich habe die CSU nie als Altmänner-Partei wahrgenommen. Wenn die Partei so wäre, wie sie teilweise von außen beschrieben wird, wäre ich selbst bestimmt nicht beigetreten.» Vielmehr gebe es sehr viele engagierte junge Frauen, die allerdings zu wenig im Fokus stünden. Gerade deswegen brauche es «Role-Models», also Vorbilder, wie sie selbst oder wie ihre Parteifreundin Dorothee Bär, die Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt ist – als Signal nach außen und nach innen. «Wir müssen da mutig sein, etwas wagen und auch deutlich zeigen: Die CSU hat viele Gesichter.»

Schon auf kommunalpolitischer Ebene seien Änderungen notwendig. Als Stadtratsmitglied sei sie «die größte Kritikerin» von Sitzungen um 14.00 Uhr gewesen. «Wie sollen das denn ein Arbeitnehmer, ein junger Mensch oder Eltern schaffen?», sagte die 33-Jährige.

«Das sind überholte Strukturen, die wir verändern müssen, um politisches Engagement gerade für junge Frauen attraktiver zu machen», erklärte Gerlach. Sie selber als junge Mutter habe ihren Alltag gut organisiert, merke aber im Gespräch mit Gleichaltrigen, «dass sich viele nicht erst am späten Abend und bis 22.00 Uhr irgendwo in ein Hinterzimmer setzen wollen, um politische oder organisatorische Themen abzuarbeiten, statt die Kinder ins Bett zu bringen». Bei der Frauen-Union gebe es mittlerweile gute Formate, die viele Frauen ansprechen, «aber das reicht natürlich nicht». Sie müssten sich vielmehr bis in die Ortsverbände durchziehen.

Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte die Partei jünger und weiblicher machen. Im Rahmen der sogenannten Basis-Tour tourt Söder derzeit durch den Freistaat, um mit der Basis zu diskutieren und Vorschläge einzuholen.