Ein Schild mit der Aufschrift «Justizgebäude» hängt am Eingang vom Landgericht Nürnberg-Fürth., © Peter Kneffel/dpa

Millionenbetrüger vor Gericht geständig

Zwei mutmaßliche Mitglieder eines Netzwerkes von Millionenbetrügern haben zum Auftakt ihres Prozesses am Landgericht Nürnberg-Fürth die ihnen vorgeworfenen Taten im Kern eingeräumt. Die Anklage geht davon aus, dass die beiden 28 und 31 Jahre alten Männer als Teil eines international agierenden Betrügerrings Dutzende Anleger um zusammen mehr als 23 Millionen Euro gebracht haben.

Die Verteidiger der beiden Angeklagten verlasen Erklärungen, in denen die Taten eingeräumt wurden. Die Angeklagten antworteten auf die Frage des Gerichts, ob die Erklärungen ihrer Anwälte den Tatsachen entsprächen, mit «Ja». Strittig ist jedoch weiterhin die Frage, wie viel Geld die beiden nicht nur für das Betrüger-Netzwerk abgezweigt, sondern wie viel sie in ihre eigene Tasche gesteckt haben. Dies ist nicht zuletzt relevant für die Frage, wie viel Entschädigung die geprellten Anleger erwarten können.

Die beiden Männer waren bis zu ihrer Festnahme im bulgarischen Sofia Teil eines Netzwerks, das organisiert und hochprofessionell Anleger übers Ohr gehauen hat. Teils zahlten die Geprellten in der Hoffnung auf satte Renditen sechsstellige Beträge ein – und sahen davon kaum etwas wieder.

Die Betrüger sollen über professionell wirkende Online-Plattformen Anleger angelockt haben. Das eingezahlte Geld sei jedoch nicht investiert worden, sondern floss über ein komplexes Geflecht von Konten und Scheinfirmen in mehreren Ländern in die Taschen des betrügerischen Netzwerkes. Es entstand laut Anklage allein durch die beiden Angeklagten ein Schaden von deutlich über 23 Millionen Euro. Und dies umfasst nur Fälle, in denen die Geschädigten auch Anzeige erstattet haben.

Das Netzwerk soll professionell organisiert gewesen sein, mit zahlreichen Mitarbeitern, die für ihre kriminelle Arbeit Gehälter und Boni bezogen hätten. Für die «Kunden» in den jeweiligen Teilen der Welt existierten eigene «Desks» mit Mitarbeitern in der jeweiligen Landessprache. Der deutsche Desk war zunächst in Tel Aviv angesiedelt, zog später nach Sofia um.

Die zwei Angeklagten gehörten den Ermittlungen der Zentralstelle Cyberkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg zufolge der mittleren Führungsebene innerhalb des Netzwerkes an. Sie betreuten an der Spitze eines Call Centers Kunden und organisierten Teile des Tagesgeschäfts der Betrüger.

Prozesse gegen Mitglieder des Netzwerks gab es dem Landgericht Nürnberg-Fürth zufolge bereits in Landshut, Düsseldorf und im August auch schon in Nürnberg. Die Angeklagten wurden jeweils zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Prozess wird an diesem Freitag fortgesetzt. Es wird eine komplexe Beweisaufnahme erwartet. Ein Urteil könnte möglicherweise erst im Januar gesprochen werden.