Bayerns Noussair Mazraoui (l-r), Mathys Tel, Torschütze Ryan Gravenberch und Joshua Kimmich jubeln nach dem Treffer zur 1:0 Führung., © Marius Becker/dpa

Nagelsmanns Luxusproblem: Training besser als manches Spiel

Teenager Mathys Tel ließ durch ein Rekordtor aufhorchen, Ryan Gravenberch überzeugte durch Dominanz und Torgefahr und Leon Goretzka feierte ein umjubeltes Comeback. 

Rechtzeitig vor dem aktuellen Bundesliga-Gipfel beim 1. FC Union Berlin am Samstag und dem Start der Champions League ist beim FC Bayern München der Kampf um die Plätze voll entbrannt. «So einen Konkurrenzkampf wünscht man sich, das ist optimal für den FC Bayern», sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic nach dem 5:0 im Erstrunden-Spiel des DFB-Pokals bei Viktoria Köln.

Nachdem auch noch Stürmer Eric-Maxim Choupo-Moting beim Drittligisten zu seinem Comeback kam, ist kein einziger Bayern-Spieler mehr verletzt. Und laut Salihamidzic geht es schon im Training richtig zur Sache. «Wenn sie sich die Trainingseinheiten anschauen: Da sind manche besser als manche Bundesliga-Spiele», sagte er grinsend: «Der Trainer hat die Qual der Wahl.»

Nagelsmann als Moderator gefragt

Eine «Qual», über die sich Julian Nagelsmann nicht beschwert. «Für mich ist es nicht ganz leicht. Aber lieber so als anders», sagte er. Gegen Köln hätten alle spielen wollen, sagte der Trainer: «Das klingt selbstverständlich. Ist es in einem Pokalspiel gegen einen Drittligisten aber nicht. Dieser Geist ist sehr wichtig. Die Konkurrenz-Situation zwingt den ein oder anderen auch dazu.»

Nagelsmanns Hauptaufgabe wird es sein, das Gerangel um die Plätze gut zu moderieren und fair und nachvollziehbar zu gestalten. «Ich bin sicher, dass der Trainer die richtigen Knöpfe drücken und die richtigen Aufstellungen wählen wird», sagte Salihamidzic. In Köln ließ Nagelsmann auch Ersatz-Keeper Sven Ulreich ran, ohne diesen für die gesamte Saison als Pokal-Keeper zu benennen. Freifahrtscheine können und müssen beim FC Bayern derzeit nicht ausgestellt werden.

Tel überrascht – und bekommt Einlauf

Insgesamt verschärfte Nagelsmann am Mittwoch sein Luxusproblem, weil er die beiden jungen Sommer-Zugänge Tel (17) und Gravenberch (20) von Beginn an brachte. Als Schützen der ersten beiden Tore und auffälligste Spieler der ersten Halbzeit wiesen sie nach, dass sie echte Alternativen sein können.

Das überraschte manch Außenstehenden bei Teenager Tel, den noch nicht viele als so konkurrenzfähig auf dem Zettel hatten. In den ersten Wochen, so erzählte Nagelsmann, habe es der Franzose auch «teilweise übertrieben». Der 17-Jährige habe im Training mit den Top-Stars «viel Mut gezeigt, was mir gefällt», sagte Nagelsmann. Aber er spielte den Ball so ungern ab.

«Zum Glück ist die Teamhygiene so gut, dass er einen Einlauf bekommen hat, wenn er nicht abgespielt hat», sagte der Coach und freute sich nach dem Pokalspiel über den schnellen Lerneffekt. In Köln habe er es «nie übertrieben, hat sehr seriös gespielt, ein wunderschönes Tor gemacht und eine tolle Verteidigungssituation gehabt, als er 40 Meter zurückgelaufen ist.» Insgesamt ein gutes Paket. «Er ist schon ein Invest für die Zukunft», sagte der Trainer: «Es ist nicht so einfach, mit 17 Stammspieler beim FC Bayern zu werden. Aber wir brauchen ihn, deshalb haben wir ihn geholt.»

Bis zu 30 Millionen Euro sollen sich die Bayern die Dienste des Ausnahme-Talents kosten lassen, das am Mittwoch mit 17 Jahren und 126 Tagen Jamal Musiala als jüngsten Pflichtspieltorschützen der Bayern ablöste. Man werde ihn «behutsam aufbauen», versicherte Salihamidzic. Doch Nagelsmann lobte: «Er hat jetzt ein gutes Gleichgewicht.»

Goretzka auf dem Weg zurück

Das war bei Goretzka stets das geringste Problem. Obwohl sein Coach ihn als «lieben Kerl» bezeichnete, «der sich viele Gedanken macht». Das Comeback nach mehrwöchiger Knieverletzung deutete aber nicht nur wegen des Treffers zum 5:0 an, dass der Mittelfeld-Motor auf einem guten Weg ist. Goretzkas Leidenszeit habe «einem weh getan», sagte der Coach: «Weil er ein sehr guter Typ ist.» Vor allem aber sei er «ein extrem bedeutender Spieler». Der auch weiß, dass der Konkurrenzkampf dieses Jahr ein besonderer wird. «Wir haben gute Jungs dazugeholt für Positionen, auf denen letztes Jahr immer klar war, wer spielt.»