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IG BAU will Schüler zu Praktika im Handwerk verpflichten

München (dpa) – Angesichts des Lehrlingsmangels in Ausbildungsberufen fordert die IG BAU verpflichtende Schulpraktika im Handwerk. «Beim Betriebspraktikum sollten Schüler wenigstens einmal Erfahrungen in einem Handwerksbetrieb sammeln können», sagte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Dietmar Schäfers am Mittwoch zum Auftakt der Internationalen Handwerksmesse in München. Eine Möglichkeit sei ein verpflichtendes Kurzpraktikum im Handwerk zwischen der siebten und zwölften Klasse.

Zugleich ließen sich Dauer und Zahl der Praktika erhöhen, damit während der Schulzeit wenigstens eine Station im Handwerk in Frage komme. «Denkbar ist eine Empfehlung der Kultusministerkonferenz, was die Pflichtpraktika in der Sekundarstufe I und II angehe», sagte der Vize-Chef der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Im vergangenen Jahr standen erstmals mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung, als es Bewerber gab. Vor allem das Handwerk spürt diesen Trend, auch wenn die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge seit Jahren steigt. Bis zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres im Oktober hatten 136 784 junge Menschen eine neue Lehrstelle und damit 1,2 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mitteilte.

Doch das Problem bleibt: Die Schülerzahlen sinken, während der Bedarf der Firmen an Mitarbeitern in der guten Konjunktur steigt. Zudem zieht es junge Menschen zunehmend an Universitäten. Dort will die IG BAU mit ihrer Forderung ansetzen: «Eine Quote fürs Handwerk beim Schulpraktikum könne einen Beitrag dazu leisten, die Berufe bekannter zu machen und mehr Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen.»

«Wenn Akademiker ihren Sohn, der ins Handwerk geht, als Bildungsabsteiger sehen, muss sich da was in den Köpfen bewegen», kritisierte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke jüngst. Die Forderung der IG BAU kommentierte er zunächst nicht. Auch der ZDH fordert mehr Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen.