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Jäger der enteigneten Schätze

München/Würzburg (dpa/lby) – Geschichte aufzuarbeiten dauert, auch in Museen. Wie sie der Herkunft ihrer eigenen Objekte auf die Spur kommen, wollen Kulturinstitutionen am Mittwoch zeigen. Der Arbeitskreis Provenienzforschung mit Sitz in Berlin hat für den 10. April den 1. Tag der Provenienzforschung ausgerufen. In Bayern gibt es Veranstaltungen in München, Regensburg und Würzburg.

Die Provenienzforschung geht der Frage nach, wo Kunstgegenstände wie Gemälde, Statuen und Keramiken herkommen. Lagern in bayerischen Depots Güter, die einst unrechtmäßig entzogen wurden? Und wenn ja, welche menschlichen Schicksale verbergen sich hinter den Objekten?

In den Pinakotheken in München können Besucher zum Beispiel Gemälde aus der Sammlung Hermann Görings sehen und sich über ihre Herkunft informieren. Das Bayerische Nationalmuseum zeigt Silberobjekte, die jüdische Bürger 1939 unter den Nationalsozialisten abgeben mussten. Die Ausstellung soll auch helfen, Erben zu finden. Das Deutsche Theatermuseum und das Zentralinstitut für Kunstgeschichte beteiligen sich ebenfalls an dem Aktionstag.

In Würzburg laden Mitarbeiter der Diözese und der Universität zu einer Diskussion ins Museum am Dom ein. Das für konkrete Kunst bekannte Museum im Kulturspeicher zieht am Sonntag, dem 14. April, mit einer Führung durch die Ausstellung «Herkunft & Verdacht» nach.

In Regensburg erhalten Besucher bei den städtischen Museen Einblick in die Aufarbeitung der NS-Zeit. Im Kunstforum Ostdeutsche Galerie zeigt eine Forscherin, wie sie anhand von Stempeln, Kaufverträgen, Auktionskatalogen und ähnlichem auf Spurensuche geht.

Am 1. Tag der Provenienzforschung beteiligten sich laut koordinierendem Arbeitskreis auch Institutionen in London, Amsterdam, Wien und der Schweiz. Der Aktionstag soll künftig jedes Jahr am zweiten Mittwoch im April stattfinden.