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Jüdisches Leben in Bayern: Veranstaltungen und Projekte

München (dpa/lby) – Wie bedeutsam jüdisches Leben für die Geschichte Bayerns war, will der Freistaat mit zahlreichen Veranstaltungen und Projekten beleuchten. Anlass ist das bundesweite Gedenkjahr zu 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Zugleich wolle man zeigen, dass jüdisches Leben zur Mitte der Gesellschaft gehöre – und somit einen Beitrag gegen Vorurteile und Antisemitismus leisten, sagte Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle am Freitag in München.

Das Jubiläum geht auf eine Urkunde des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 n. Chr. zurück, in der Juden Aufgaben in der Stadtverwaltung Kölns ermöglicht wurden. Dies gilt als erster Nachweis jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Für Bayern stammt die erste Quelle aus dem Jahr 981 aus Regensburg. Man dürfe aber davon ausgehen, dass sich schon früher Juden hier angesiedelt hätten, sagte Spaenle. Heute leben rund 18 000 Jüdinnen und Juden in Bayern und es existieren 15 jüdische Gemeinden.

Zu den zahlreichen geplanten Projekten gehört die Digitalisierung der Archive ehemaliger jüdischer Gemeinden in Bayern. Die Nationalsozialisten hatten die Dokumente 1938 eingezogen, sie überstanden den Krieg unbeschadet und kamen dann nach Israel. Im November ist in München das Jahrestreffen der europäischen Rabbinerkonferenz geplant. In den Fokus rücken will Spaenle zudem die historische Bedeutung des Landjudentums speziell für die Regionen Schwaben und Franken, wo es früher zahlreiche Gemeinden gab.

Dem Wissen über das Judentum käme ein wichtiger Aspekt bei der Bekämpfung des Judenhasses zu, sagte Spaenle weiter. Deshalb sei ein Strategiepapier geplant mit Beispielen für die Bildungsarbeit.

Zum Auftakt des Gedenkjahres in Bayern werden am kommenden Dienstag (12. Januar) bei eine Digitalveranstaltung unter anderem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprechen.