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Kabinett will Fortsetzung des Islamunterrichts beschließen

München (dpa/lby) – An bayerischen Schulen soll es weiterhin und nun dauerhaft Islamunterricht für Kinder muslimischen Glaubens geben. Nach einer Grundsatzeinigung im Koalitionsausschuss will die schwarz-orange Staatsregierung dies voraussichtlich schon in der Kabinettssitzung am kommenden Dienstag beschließen. Darauf hatten sich CSU und Freie Wähler nach Angaben aus beiden Parteien nach langem Hin und Her in dieser Woche verständigt. Und: Der Unterricht soll bedarfsgerecht, maßvoll und schrittweise ausgebaut werden, wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag erläuterte.

Piazolo betonte, er sei schon lange von dem Konzept und der integrativen Wirkung des Islamunterrichts überzeugt. Das sei ja kein Religionsunterricht, sondern eine Art Wertekunde, mit Fokus auf dem Islam, aber mit einem vergleichenden Blick auch auf andere Religionen. «Das ist ein gutes Angebot, das wollen wir verstetigen.» In den nächsten beiden Jahren sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, aus dem Modellversuch auch formal ein dauerhaftes Angebot zu machen, etwa als Wahlpflichtfach, als Alternative zum Ethikunterricht.

Offiziell läuft der Islamunterricht inzwischen seit vielen Jahren als Modellversuch: die erste Phase seit dem Jahr 2009, die zweite Phase seit 2014, und zwar zuletzt bayernweit an 349 Schulen. Im vergangenen Schuljahr besuchten rund 16 000 Schülerinnen und Schüler den Unterricht, der von etwa 100 Lehrerinnen und Lehrern angeboten wurde. Er findet in deutscher Sprache in staatlicher Verantwortung statt. Ohne den neuen Koalitionsbeschluss wäre im Sommer Schluss gewesen.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann, begrüßte die Pläne der Koalition am Freitag: «Nun ist der Weg frei für die Konzeption und die Implementierung eines bedarfsgerechten Islamischen Unterrichts in ganz Bayern», lobte sie. «Das ist nach den langen Monaten der Unklarheit eine gute und wichtige Nachricht.» Lehrkräfte und Studierende seien über Monate im Unklaren gelassen worden. «Jetzt können sie endlich aufatmen.»