Thomas Schüller, Theologe und Kirchenrechtler., © Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Kirchenrechtler: Schick-Nachfolger braucht gute Nerven

Der Nachfolger von Ludwig Schick als katholischer Erzbischof von Bamberg braucht nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller gute Nerven. «Sicherlich wird man jemand suchen, der angesichts der heftigen Polarisierungen in der deutschen Kirche die Gabe des Zusammenbringens hat, einen moderaten und erfahrenen Mann mit guten Nerven», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Leider ist der Pool geeigneter Kandidaten durch den eklatanten Priestermangel sehr eingeschränkt.»

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern würdigte den zurückgetretenen Bamberger Erzbischof: Der Chef des Laiengremiums, Joachim Unterländer, beschrieb Schick als einen Bischof, der sich Änderungen nicht verschließe und seine Kirche voranbringe und zukunftsfest machen wolle. Schicks Vorschläge etwa zur Frauenweihe, zur Aufhebung des Pflichtzölibats oder zur Amtszeitbeschränkung für Bischöfe zeugten davon, sagte Unterländer laut Mitteilung vom Mittwoch.

Wie an Allerheiligen bekannt wurde, nahm Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des 73 Jahre alten Erzbischofs nach 20 Jahren im Amt an. Schick begründete seinen Rücktritt damit, dass er bevorstehende wichtige Entscheidungen und Weichenstellungen einem jüngeren Nachfolger überlassen möchte.

Am Mittwochmorgen feierte er einen Gottesdienst im Bamberger Dom – zum ersten Mal als Erzbischof außer Dienst. «Ich muss mich daran gewöhnen, Sie auch. Aber wir in Franken sagen: Das wird schon», sagte Schick zu den Gläubigen.

Das Bamberger Domkapitel wird nun zunächst einen Administrator wählen, der das Erzbistum kommissarisch leitet. Wann ein Nachfolger für Schick feststeht, ist unklar. Die Entscheidung liegt dabei nicht – wie sonst so vieles in der katholischen Kirche – ganz allein beim Papst, obwohl der natürlich das letzte Wort hat.

Im bayerischen Konkordat, dem Staatskirchenvertrag zwischen dem Heiligem Stuhl und dem Freistaat aus dem Jahr 1924, heißt es: «In der Ernennung der Erzbischöfe und Bischöfe hat der Hl. Stuhl volle Freiheit.» Aber Franziskus bekommt Entscheidungshilfen: Das Bamberger Domkapitel und die Bischofskonferenz schicken die Namen geeigneter Kandidaten nach Rom. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers können einige Monate vergehen.

Wer es wird, sei «schwer zu sagen», sagte Schüller – «weil nach Bayernkonkordat der Papst ja nicht frei ernennen kann, sondern aus der Liste der Vorgeschlagenen einen neuen Erzbischof ernennen muss». Es hänge also «alles an den Vorschlägen des Bamberger Domkapitels, der amtierenden bayerischen Bischöfe und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der in dieser Funktion ein Vorschlagsrecht hat».

Die Reform-Organisation «Wir sind Kirche» teilte mit, Schick habe in den vergangenen Jahren ein Programm für die Zukunft der Kirche vorgestellt: «Verwurzelung im Glauben und ein offenes Ohr für die Menschen. Nicht die Institution Kirche ist wichtig, sondern die Menschen sind Kirche, für sie ist die Kirchenleitung da.»

Die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner teilte mit, sie bedauere den Rücktritt Schicks. «In der Ökumene war er mir ein verlässlicher Partner auf dem Weg zu mehr Gemeinschaft aus der Quelle gemeinsam gepflegter Spiritualität. In keiner noch so schwierigen Situation habe ich ihn ohne Zuversicht des Glaubens erlebt. Das ist wohl seine größte Gabe.»