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Kirill Petrenko nimmt sich des «Fidelio» an

München (dpa/lby) – Kaum zu glauben: Noch nie in seiner fast 25-jährigen Dirigentenkarriere hat sich Kirill Petrenko Ludwig van Beethovens einziger Oper «Fidelio» angenommen. Wie intensiv er sich mit dem Musikdrama um die Befreiung des zu Unrecht inhaftierten Florestan durch seine Frau Leonore auseinandersetzte, bewies Publikumsliebling Petrenko am Donnerstagabend im Münchner Nationaltheater. Flotte Tempi, präziseste Anweisungen aus dem Orchestergraben für die Solisten auf der Bühne, volles Ausschöpfen der Partitur für Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper mit einer exzellent spielenden Horngruppe – Petrenko durchdringt das zweieinhalbstündige Opus bei seiner Erstaufführung so, als habe er es schon zig mal dirigiert.

Wie bereits bei der Premiere der Neuinszenierung von Calixto Bieito aus dem Jahr 2010 sang Anja Kampe die Titelpartie der Leonore in der Verkleidung des Fidelio, Münchens «Haustenor» Jonas Kaufmann gab erneut den Gefangenen Florestan. Neben der stimmlich wie darstellerisch auftrumpfenden Sopranistin zu bestehen ist für jeden Tenor schwer. Der erst im zweiter Akt geforderte Jonas meistert die Partie vor allem in der extremen Höhe. Günther Groissböck überzeugt als Gefängniswärter Rocco, Hanna-Elisabeth Müller als seine Tochter Marzelline. Wolfgang Koch gibt den mordwütigen Gefängnisdirektor Don Pizarro.

Am Ende holten sich die Solisten und der eher publikumsscheue Dirigent langanhaltenden Applaus ab. Bis 2. Februar stehen drei weitere Vorstellungen des «Fidelio» unter Petrenkos Leitung im Nationaltheater auf dem Spielplan – alle sind längst ausverkauft.