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Leiterin der KZ-Gedenkstätte besorgt über Rechtsruck

Dachau (dpa/lby) – Die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Dachau wird immer häufiger verbal angegriffen. Das sagte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich nehme schon wahr, dass das, was sagbar ist, immer weiter zunimmt, gerade von Seiten verschiedenster Politiker der AfD», sagte Hammermann. «Aber auch weit darüber hinaus: Fremdenfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus haben in Teilen der Gesellschaft Fuß gefasst.» Zahlen zu solchen Vorfällen gibt es nicht.

Im Februar beispielsweise versuchte ein rechtsradikaler YouTuber, die KZ-Gedenkstätte vor Ort und im Internet zu diskreditieren. Solche Angriffe zeigten ihr, dass die Scham sinke, öffentlich die Arbeit von Gedenkstätten infrage zu stellen, sagte Hammermann. Teile der Gesellschaft versuchten, die bisherige Erinnerungskultur in Deutschland fundamental anzugreifen. «Was früher möglicherweise nur am Stammtisch geäußert wurde, das ist jetzt sagbar. Das erfüllt uns schon mit Sorge. Nicht nur uns, sondern auch die internationalen Verbände der Überlebenden und ihrer Nachkommen», so die 56-Jährige.

Sie erwarte, dass die Arbeit der Gedenkstätten daher in Zukunft schwieriger werde. «In den vergangenen Jahren schien es eigentlich ein Grundkonsens zu sein, dass die Gedenkstätten für die Demokratiebildung in diesem Land eine wichtige Rolle spielen. Es gehörte zu unserem Grundverständnis, die Opfer des NS-Regimes zu würdigen und uns mit dem Nationalsozialismus kritisch auseinanderzusetzen», sagte Hammermann. Dies werde von vielen Vertretern der AfD, die sich zunehmend durch antisemitische und rassistische Hetze hervortue, offen angezweifelt.

Für die Angriffe auf die Gedenkstätten nutzten sie perfiderweise parlamentarische Instrumentarien, wie der Eklat um die Gedenkrede von Charlotte Knobloch im bayerischen Landtag im Januar gezeigt habe. Während der Rede der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern anlässlich des Holocaust-Gedenktags hatte die Mehrheit der AfD-Abgeordneten demonstrativ den Saal verlassen.

Aus der Politik spüre sie aber größtenteils Unterstützung, sagte Hammermann: «Momentan merken wir, dass die Politik sehr aufmerksam diesen Rechtsruck verfolgt und versucht, Gedenkstätten zu stärken – durch zusätzliches Personal und Projektmittel.»

Auch das Interesse an der 1965 errichteten Gedenkstätte nehme zu, die Besucherzahlen seien gestiegen, sagte sie. Etwa 900 000 Menschen besuchten demnach zuletzt die Gedenkstätte im Jahr. Neben Schulklassen kämen vor allem im Sommer häufig Touristen aus dem englischsprachigen Ausland, wenn sie München besuchten. Amerikanische Truppen hatten die Überlebenden im KZ am 29. April 1945 befreit.