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Mehr Dorfläden in Bayern

München (dpa/lby) – Obst, Fleisch, Käse und Gemüse aus der Region, Nudeln, Gewürze und Schokolade, Geschenkartikel, Zahnpasta und Shampoo: Dorfläden wollen das bieten, was man im Alltag so braucht – und ein wenig mehr. Die Nähe zum Kunden beispielsweise. Zu manchen Dorfläden gehört eine Poststation, andere führen eine Café. Ein Dorfladen soll Mittelpunkt des Ortes sein, sagt Gründungsberater Wolfgang Gröll vom Dorfladen-Netzwerk. Die Zahl der bürgerschaftlich organisierten Dorfläden in Bayern steigt, auch wenn es nicht immer einfach ist: Während mancherorts der Dorfladen ums Überleben kämpft, hat er sich anderswo fest etabliert.

Etwa 300 Dorfladen-Bürgergesellschaften gibt es in Deutschland, davon etwa 170 in Bayern, sagt Gröll. Die Szene habe sich hierzulande in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich entwickelt, die Pleitequote sei relativ niedrig.

Der Freistaat unterstützt Gründungen, etwa über das Städtebauförderprogramm. Fast 800 Gemeinden in Bayern hätten keinen Supermarkt mehr, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in München mitteilt. Wichtig für die erfolgreiche Gründung eines Dorfladens sei ehrenamtliches Engagement. Die Bevölkerung müsse zum großen Teil dahinter stehen. «Dorfläden funktionieren in der Regel nur, wenn die Bürger empfinden, dass es ihr eigener Laden ist», sagt der Ministeriumssprecher.

«Die Bürger müssen sich entzünden lassen», formuliert es Gröll, der nach eigenen Angaben bereits gut 800 Lebensmittelgeschäfte beraten hat. Um dem Kostendruck – etwa für Energie, Einrichtung und Lohn – standhalten zu können, müssten die Dorfläden am Puls der Zeit sein. So wie das Geschäft von Peter Böhmer in Farchant im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, sagt Gröll.

Der Farchanter Marktbetreiber ist jüngst auf der Messe «Grüne Woche» in Berlin mit dem Titel «Dorfladen des Jahres» geehrt worden. In einer Seitenstraße der 3500-Einwohner-Gemeinde hat Böhmer 2013 seine Vorstellung von einem Dorfladen verwirklicht. Auf 130 überschaubaren Quadratmetern hat er eine Kombination aus Lebensmittelladen, Café und Imbiss-Stube errichtet. Gemütlich und individuell. Für den Erfolg nennt Böhmer auch andere Faktoren: «Wir setzen voll und ganz auf regionale Produkte. Außerdem ist die Ware hochwertig, frisch und häufig bio», sagt der frischgekürte Dorfladen-Star.

Ein Konzept, das auch wirtschaftlich ankommt. Berater Gröll verweist darauf, dass der Dorfladen in Farchant seit der Gründung seinen Umsatz verdoppelt habe. Laut Böhmer auch die Mitarbeiterzahl. Heute kümmern sich 14 Mitarbeiter um bis zu 300 Kunden täglich. Die meisten seien Stammkunden. Zu den Zugpferden des Dorfladens gehöre der Mittagstisch: zwei Gerichte, eines mit und eines ohne Fleisch.

«Wir denken immer kundenorientiert und wir sind alle immer freundlich», sagt Böhmer. «Und wenn ältere Menschen zu uns kommen, dann geben wir ihnen die Zeit, die sie brauchen. Wir hetzen bei uns niemanden.» An Expansion denkt der Geschäftsmann übrigens nicht: «Der Dorfladen ist vom Dorf fürs Dorf. Nur so funktioniert’s.»

In vielen bayerischen Gemeinden im Freistaat ist der Lebensmittelladen – oder der Mangel eines solchen – ein hitzig diskutiertes Thema. Gröll kann spontan ein halbes Dutzend Beispiele nennen. Im Allgäu gebe es mittlerweile zehn bis zwölf Dorfläden pro Landkreis, in Niederbayern und der Oberpfalz dagegen noch etwas Nachholbedarf. Dort, in Bayerisch Eisenstein im Landkreis Regen, sorgte die drohende Schließung eines bürgerschaftlich organisierten Dorfladens in den vergangenen Monaten für Diskussionen.

Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab, wie Bernhard Bachl, einer der Vorsitzenden des Landes, sagt. Der Dorfladen, der schon im November und dann zu Jahresbeginn hätte schließen sollen, geht erneut in die Verlängerung. Das Geschäft habe jedes Jahr Verlust gemacht, die Menschen hätten den Laden nicht richtig angenommen. Während der Urlaubssaison seien aber Feriengäste gerne gekommen. Nun werde der Dorfladen mit verkürzten Arbeitszeiten und weniger Personal bis Ende April weitergeführt – und aller Voraussicht nach dann von einer Interessentin privat übernommen. Den Laden zu schließen wäre für Bayerisch Eisenstein eine «Katastrophe», sagt Bachl.