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Mord weiter unaufgeklärt: Soko soll aufgelöst werden

Bayreuth (dpa/lby) – Mehr als 1800 Vernehmungen und Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung haben offenbar noch nicht den entscheidenden Durchbruch gebracht: Auch mehr als 16 Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 24-Jährigen in Bayreuth ist kein Täter bekannt. Nun soll die Personalstärke der mit dem Fall betrauten Ermittler zurückgefahren werden: Es sei angedacht, die besondere Organisationsstruktur der Sonderkommission demnächst aufzulösen und damit die personelle Besetzung zu reduzieren, teilte das Polizeipräsidium Oberfranken der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Ermittlungen liefen dann bei der Kriminalpolizei Bayreuth weiter.

Ursprünglich waren demnach um die 30 Ermittler in der Soko «Radweg» gewesen, die Personalstärke wurde mittlerweile aber zurückgefahren. Ein Großteil der Ermittlungsansätze sei abgearbeitet, die Beamten hätten weit über 1800 Vernehmungen durchgeführt, teilte die Polizei mit. Vernommen wurden demnach sowohl Zeugen als auch verdächtige Personen.

Der 24-Jährige war in der Nacht vom 18. auf den 19. August 2020 mit seinem Fahrrad in einem Bayreuther Stadtteil unterwegs gewesen, als er im Dunkeln mit einem Messer angegriffen und «mit absolutem Tötungswillen» umgebracht wurde. Die genauen Hintergründe sind weiter unklar. Es gab offenbar keinen Kampf, dem Opfer wurde nichts weggenommen. Der grausame Verdacht: Den 24-Jährigen könnte es zufällig getroffen haben.

Ein Profiler der Kriminalpolizei hält es für möglich, dass der Täter im Rahmen einer «psychischen Auffälligkeit» handelte: Gefühle wie irrationale Angst und Verfolgungsideen hätten sein Handeln möglicherweise geleitet. Die zweite Theorie des Profilers: Der Täter setzte mit der Tat eine Tötungsfantasie um. Die Ermittler gehen davon aus, dass er wohl ortskundig ist und einen Bezug nach Bayreuth hat. Es könne sich also um jemanden handeln, der vielleicht dort gewohnt, gearbeitet oder studiert habe, teilte die Polizei mit. Ob er sich noch in Bayreuth aufhalte, könne nicht beantwortet werden.

Die Ermittler hatten in dem Fall auch ungewöhnliche Wege beschritten. Zweimal kam der Fall in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY… ungelöst» vor. Außerdem versuchte die Soko es mit einer Plakatkampagne mit einem Foto des Opfers und der Frage «Wer hat mich hier ermordet?». Gut drei Monate lang hing das Banner im Sommer in der Nähe des Tatorts. Rund 400 Hinweise seien nach den Sendungen und anlässlich des Plakats von Seiten der Bevölkerung eingegangen, teilte die Polizei mit.

Ein weiteres Rätsel gibt der Polizei auch ein am Tatort in Bayreuth gefundener abgebrochener, 500 Gramm schwerer Hammerkopf auf. Es sei weiter unklar, inwieweit er im Zusammenhang mit der Tat steht oder nicht, teilte die Polizei mit. Der 24-Jährige starb laut der Obduktion an massiver Gewalteinwirkung mit einem Messer.

Es habe zahlreiche Personenüberprüfungen gegeben. Es seien auch Personen in den Fokus geraten, die aufgrund anderweitiger Delikte in Erscheinung getreten waren. Die Ermittler gingen etwa Parallelen zu einem Fall in Erlangen nach, wo im September ein psychisch auffälliger 33-Jähriger festgenommen wurde. Er hatte nach Einbruch der Dunkelheit einen Vorschlaghammer in Richtung eines Radfahrers geschleudert. Ein Zusammenhang wurde aber schließlich ausgeschlossen.

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