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Politikexperte: Führungskrise bei CSU und SPD in Bayern

München (dpa) – Der Politikwissenschaftler Jürgen Falter macht Ministerpräsident Markus Söder für das schlechte Abschneiden der CSU bei den Landtagswahlen in Bayern mitverantwortlich. «Söder hat der CSU als Kandidat keine positiven Zugewinne eingebracht», sagte Falter der Tageszeitung «Augsburger Allgemeine» (Montag). Er könne zwar Kompetenzwerte vorweisen, aber keine hohen Sympathiewerte, selbst bei CSU-Wählern nicht. «Hier wäre die CSU vermutlich mit jemandem wie Ilse Aigner oder Innenminister Joachim Herrmann als Spitzenkandidat besser aufgestellt gewesen, was die Sympathiewerte angeht.» Noch drastischer sei die Lage der SPD. Wenn das so weitergehe, drohe der Partei in Bayern das Schicksal einer Splitterpartei. «Verschärft wird die Krise durch die mangelnde Strahlkraft des SPD-Spitzenpersonals.»

Nach Einschätzung Falters hat sich die CSU in den Augen vieler Wähler unglaubwürdig gemacht, vor allem bei Themen wie Flüchtlingspolitik oder Rückführungen. «Den eher liberalen CSU-Wählern war die Rhetorik und die ins Auge gefassten Maßnahmen zu brachial, den eher Konservativen in der CSU stieß auf, dass die CSU-Führung zwar das Maul sehr weit aufgerissen, aber sehr, sehr wenig erreicht hat», sagte Falter der Tageszeitung «Donaukurier» (Montag). Das schlechte Abschneiden sei eine Erschütterung der Grundfesten des Freistaats. «Dieses Wahlergebnis wird sehr am Selbstverständnis der CSU nagen und ihre Rolle in der Politik erheblich beeinträchtigen.»