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Profis statt Priester: Lob für Neuerung im Bistum München

München (dpa/lby) – Das Erzbistum München und Freising will künftig keinen Priester mehr an der Spitze der Verwaltung haben. Das Erzbischöfliche Ordinariat sucht einen Verwaltungsprofi als Amtschef – gerne auch eine Frau – und begründete diesen ungewöhnlichen Schritt am Montag in München mit dem Reformbedarf der katholischen Kirche. Ziel sei es, die Verwaltung professioneller zu machen und eine «einseitige Konzentration der Macht auf Priester» abzubauen. Das sei neu und bisher in Deutschland einmalig, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz. Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» nannte die Ankündigung einen «bemerkenswerten Schritt». In den Bistümern Bamberg, Würzburg und Passau gibt es derzeit keine derartigen Pläne, wie Sprecher auf Anfrage sagten.

Bislang leitete Generalvikar Peter Beer als Vertreter des Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx die Amtsgeschäfte im Erzbistum München und Freising. Es verfügt über einen Millionen-Etat und hatte im Jahr 2016 einen Umsatz von 833 Millionen – knapp 590 Millionen davon aus Kirchensteuern. Künftig soll sich das Amt des Generalvikars jedoch auf thematische, inhaltliche und theologische Fragen konzentrieren. Beer wird dieses entschlackte Amt nach Bistumsangaben aber nicht behalten, sondern Ende 2019 eine neue Aufgabe übernehmen und bis dahin den Übergang organisieren.

«Eine Amtschefin oder ein Amtschef wird nun die operative Verwaltungstätigkeit eigenständig leiten», heißt es in der Mitteilung. Die Stelle soll zum 1. Januar 2020 ausgeschrieben werden. Kardinal Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, hatte die Entscheidung zuvor bei einer Tagung der Ordinariatskonferenz und des Bischofsrates in Rom verkündet.

Das Konzept aus München sei zwar neu, aber eigentlich eine Variante der Verwaltungsleiter in einigen Diözesen, sagte die Sprecherin der Bischofskonferenz. Im Erzbistum Köln etwa solle der Verwaltungsleiter die Pfarrer von der Verwaltung entlasten. Die Laienbewegung «Wir sind Kirche» teilte auf Anfrage mit, der Schritt sei ein Signal, «dass auch an der Spitze des Erzbischöflichen Ordinariats Sachkompetenz Vorrang haben soll gegenüber einer oftmals sich nur aus der priesterlichen Weihe herzleitenden Kompetenz». Ein Sprecher betonte aber auch, dass dies für viele im Ordinariat und in den Gemeinden «sicher eine Umstellung» sein werde.

Beim Erzbistum Bamberg gibt es nach Angaben des Pressesprechers zwar auf lokaler Ebene Bemühungen, Pfarrer zu entlasten, damit diese sich auf die Seelsorge konzentrieren können. Verwaltungsaufgaben würden daher vermehrt in die Hände von Laien gegeben. Auf Bistumsebene sei ein Schritt wie im Erzbistum München und Freising aber kein Thema. Auch im Bistum Würzburg ist eine solche Veränderung derzeit nicht angedacht, wie ein Sprecher sagte. Das Bischöfliche Ordinariat werde sich allerdings in seiner Struktur in den kommenden Jahren neu aufstellen.

Auch in Passau sei eine Änderung an der Position des Generalvikars derzeit nicht angedacht. Das Bistum weist aber darauf hin, dass vor mehr als drei Jahren einer Justiziarin die Leitung der Kanzlei des Bistums übertragen worden war. Damit habe erstmals eine Frau zentrale Aufgaben des Generalvikars übernommen.

Ein Sprecher des Bistums Regensburg erklärte, dass der Generalvikar schon jetzt Unterstützung von einem Verwaltungsfachmann bekomme. Er betonte, dass Leitungspositionen nach sachlichen Gesichtspunkten besetzt würden. «Der entscheidende Punkt ist nicht das Geschlecht oder der Stand, sondern Professionalität.» Die Bistümer Augsburg und Eichstätt äußerten sich zunächst nicht.