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Angeklagte gestehen: Dopingmittel hergestellt und verkauft

München (dpa/lby) – Der Handel mit illegalen Dopingmitteln boomt seit Jahren – vor dem Landgericht München I hat nun ein Prozess gegen mehrere Tatverdächtige begonnen. Zwei Angeklagte legten am Mittwoch ein Geständnis ab: Sie konsumierten die Wachstumsmittel jahrelang, stellten sie später auch selber her und verkauften sie deutschlandweit.

Die beiden Männer aus Nordrhein-Westfalen, ein 33-Jähriger aus Wickede und ein 26-Jähriger aus Bochum, gaben an, sich über ein Internetforum für Kraftsport und Fitness kennengelernt und dort ihre Geschäfte organisiert zu haben. Laut Anklage verkaufte der 33-jährige Hauptangeklagte Anabolika unter dem Namen «JonnyBoy» in Internetforen für Bodybuilder. Später stellte er in einem eigenen Labor bei sich zu Hause Dopingmittel namens «Diamond» und «Pure» her. Die Beweislast gegen die Angeklagten sei «glasklar», sagte der Oberstaatsanwalt.

Zwei der Mitangeklagten seien seine besten Freunde, erklärte der 33-jährige Werkzeugmechaniker. Einer habe ihm seine Garage als Lagerraum für die Dopingmittel zur Verfügung gestellt; der andere habe zweimal bei der Post die Lieferungen abgeholt. Die Beschuldigten räumten vor Gericht die Beteiligung ein.

Ein Mann aus München ist mitangeklagt. Er soll ebenfalls beim Handel geholfen haben. Ein weiterer Beschuldigter, ein 36-jähriger Münchner, war nicht zum Prozessauftakt erschienen. Gegen ihn erließ der Vorsitzende Richter einen Haftbefehl. Das Urteil soll voraussichtlich kommenden Mittwoch verkündet werden.

Die Staatsanwaltschaft München I ist seit März 2009 für alle Ermittlungsverfahren in Bayern zuständig, die im Zusammenhang mit Doping im Sport stehen. Allein im Jahr 2016 wurden nach Angaben einer Behördensprecherin 1101 Ermittlungsverfahren mit Dopingbezug geführt – von Rezeptfälschungen bis zu Dopingverstößen im Spitzensport. 2017 waren es 714 Ermittlungsverfahren.