Regisseur: Kremlgegner ist Alternative für Russland

Vor der Deutschlandpremiere seines Films über die Vergiftung des Kremlgegners Alexej Nawalny hat Regisseur Daniel Roher dafür geworben, Russland nicht mit Präsident Wladimir Putin gleichzusetzen. Sein Dokumentarfilm «Nawalny», mit dem das Dok.fest in München an diesem Mittwoch eröffnet wird, solle zeigen, dass es neben dem in der Ukraine Krieg führenden Russland noch ein anderes gebe. Nawalny sei eine Alternative. «Dieser Film muss auch zeigen: Wladimir Putin ist nicht Russland. Und Russland ist nicht Wladimir Putin», sagte Roher der Deutschen Presse-Agentur zum Kinostart am 5. Mai.

Nawalny sei anders als Putin jemand mit Visionen für das Land. «Das ist eine Vision, bei der Demokratie, freie Presse und Meinungsäußerung und Gerechtigkeit in der Verfassung der Nation festgeschrieben sind», sagte der Kanadier. «Dafür kämpft Nawalny, dafür sitzt er im Gefängnis.» Sein Film dreht sich vor allem um den Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok, den Nawalny 2020 nur knapp überlebte.

Roher hat den Oppositionellen im Schwarzwald getroffen, als er sich von dem Attentat mit dem geächteten chemischen Kampfstoff erholte. Entstanden ist ein Zeitzeugnis über den Mut eines Kämpfers, der trotz Tiefschlägen, Haft und Lebensgefahr immer wieder aufsteht gegen Korruption und himmelschreienden Machtmissbrauch. In Spielfilmlänge wird erzählt, wie Nawalny zum politischen Problem wurde für den Kreml. Der 45-Jährige hatte wiederholt erklärt, er wolle Präsident werden.

Ein Killerkommando des einst von Putin geführten Inlandsgeheimdienstes FSB soll das tödliche Nervengift in einem Hotelzimmer in Sibirien auf einer Unterhose Nawalnys aufgetragen haben – was der Kreml bis heute dementiert. Zentral ist im Film eine bereits international beachtete Rechercheszene, in der Nawalny selbst mit einem der mutmaßlichen Täter telefoniert und dem Mann ein ausführliches Geständnis entlockt. Erzählt wird der Fall nun noch einmal als packender Polit-Thriller.

Nawalny war nach seiner Rückkehr aus Deutschland im Januar vorigen Jahres festgenommen worden. Inzwischen soll er eine nach umstrittenen Prozessen mittlerweile auf neun Jahre gewachsene Haft im Straflager absitzen. Von dort meldet er sich immer wieder zu Wort – auch mit Kritik an Putins Krieg in der Ukraine.