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Rennen um neue SPD-Spitze bringt für Stegner nur Gewinner

Kiel (dpa) – Der Fortbestand der großen Koalition wird nach Ansicht von SPD-Bundesvize Ralf Stegner eines der Kernthemen im Rennen um den Parteivorsitz.

«Aber ich warne davor, das zu überhöhen, denn eine Koalition ist ein politisches Zweckbündnis auf Zeit. Die SPD ist aber viel mehr», sagte Stegner der Deutschen Presse-Agentur. Koalitionsfragen seien taktischer Natur und hätten mit der Identität der SPD wenig zu tun. «Wenn wir anfangen, uns über andere Parteien zu definieren, dann steht es viel schlechter um die SPD als gedacht.»

Stegner sieht in dem Mitgliederentscheid über die künftige Parteispitze eine «Riesenchance». «Das kann unserer Partei nur guttun, weil es leidenschaftliche und öffentliche Debatten über die inhaltliche und personelle Ausrichtung geben wird», sagte der 59-Jährige. Er rechne mit weiteren Teams und Einzelbewerbern. Der Fraktionschef im Landtag von Schleswig-Holstein selbst wird als ein möglicher Bewerber um den SPD-Vorsitz gehandelt. Dazu sagte Stegner der «Passauer Neuen Presse»: «Eier sollte man ausbrüten, wenn sie gelegt sind. Ich halte nichts davon, dass jeder nur erklärt, dass er nicht kandidiert.»

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat die Frage nach einer eigenen Kandidatur für den Vorsitz ebenfalls offen gelassen. «Das ist eine Frage, die zur Zeit viele Menschen bewegt, und ich werde mich dazu zu gegebener Zeit dann ganz klar äußern», sagte die Politikerin am Mittwoch am Rande eines Termins im Hamburger Rathaus.

Für Stegner ist das Rennen um den SPD-Vorsitz völlig offen. «Die Entscheidung hat am Ende nur Gewinner und keine Verlierer, wenn wir das richtig machen.» Es könne dabei «ganz anders kommen, als viele glauben, denn es entscheiden nur unsere Mitglieder». Er hofft auf möglichst viele Kandidaten. «Schön wäre, wenn alle, die sich ernsthaft bewerben, an dem Wettbewerb teilnehmen können.» Bewerber müssen aber bis zum 1. September die Mitgliederunterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband haben.

Bislang trifft dies nur auf Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann zu. Bewerben wollen sich auch die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange und der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, kündigte zudem seine Kandidatur in der «Welt» an. Die Kandidaten sollen sich auf mehr als 20 Regionalkonferenzen bundesweit der Basis stellen.