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Rund 48 000 Katholiken erklären Austritt

München (dpa/lby) – Die beiden großen Kirchen in Bayern verlieren weiterhin Mitglieder. Die Zahl der Kirchenaustritte ist aber nicht weiter gestiegen, sondern stagnierte im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2017 traten rund 48 000 Katholiken im Freistaat aus ihrer Kirche aus, das entspricht der Anzahl von 2016. Die evangelische Landeskirche registrierte rund 23 600 Austritte nach knapp 22 700 im Jahr zuvor. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die evangelische Landeskirche haben am Freitag ihre Statistik zum kirchlichen Leben für das Jahr 2017 veröffentlicht.

«Uns schmerzt jeder einzelne Austritt, dem meist ein langer Prozess der Entfremdung vorausgegangen ist», sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Es sei eine wichtige Aufgabe der Kirche, die Verbindung auch zu den Menschen zu halten und zu pflegen, die nicht regelmäßig in den Gottesdienst gehen.

Der Passauer Bischof Stefan Oster betonte am Freitag, man wolle offensiv für die christliche Botschaft werben: «Nicht wenige Menschen, vor allem junge Menschen, haben noch nie etwas davon gehört, dass Jesus wirklich für uns gestorben und auferstanden ist. Und dass der Glaube an ihn wirklich Freude, Gemeinschaft und großen Trost schenken kann.» Deshalb bemühten sich haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Diözese darum, den Glauben neu zu wecken.

Ein Sprecher der Diözese Regensburg verwies auf das «Austrittstelefon» des Bistums: Wer darüber nachdenke, der Kirche den Rücken zu kehren, könne sich in den kommenden Wochen unbürokratisch an Seelsorger wenden und im vertraulichen Gespräch über ihre Probleme mit der Kirche sprechen.

Die Mitgliederzahlen der Kirchen gehen auch deshalb zurück, weil es unter den Gläubigen mehr Sterbefälle als Taufen oder Wiedereintritte gibt. Zum Beispiel im mitgliederstärksten bayerischen Bistum, dem Erzbistum München-Freising: 2017 gab es dort 14 364 Taufen, zugleich aber 16 805 Bestattungen.

«Die Pfarrerinnen und Pfarrer engagieren sich nach Kräften, kommen aber an viele Menschen nicht mehr heran», räumte Oberkirchenrat Nikolaus Blum, Leiter des evangelischen Landeskirchenamts in München, ein. Deshalb habe die Kirchenleitung im vergangenen Jahr einen Erneuerungsprozess angestoßen. «Wir wollen, dass die Menschen spüren, dass ihnen der Glaube guttut und hilft.» Dazu sei ein Perspektivwechsel nötig. «Dabei diskutieren wir ganz grundsätzlich: Wie sollten wir unsere Kirche heute organisieren, damit die Menschen möglichst gut in Kontakt kommen mit dem Evangelium, das uns die Bibel bezeugt?»