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Schafroth will kein Fastenprediger von oben herab sein

München/Augsburg (dpa) – Der Kabarettist Maxi Schafroth (34) hat sich vor seiner Premiere auf dem Nockherberg in München am 12. März einen neuen Stil für seine Fastenpredigt vorgenommen. «Ich werde in meiner Fastenpredigt nicht den richtenden Blick von oben haben, sondern den eines Menschen, der von der Politik betroffen ist und Stellung bezieht», sagte der Kabarettist der «Augsburger Allgemeinen» (Mittwoch). Das Schlimmste sei ein erhobener Zeigefinger. «Watschen um des Watschens willen ist nicht meins.»

Der traditionelle Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg mit satirischer Bußpredigt vor Bayerns politischer Prominenz ist eine der beliebtesten Fernsehsendungen des Bayerischen Rundfunks (BR), die jedes Jahr Millionen einschalten. Diesmal ist mit dem Allgäuer Kabarettisten Schafroth nicht nur der Prediger neu, auch der Ministerpräsident ist ein neuer: Markus Söder (CSU).

Schafroth sagte: «Ich möchte maximal kritisch sein – und gleichzeitig maximal unterhaltend.» Er wolle kein Richter sein, sondern auch als Respekt die Verbindung zum Gegenüber behalten. «Das ist gerade in unseren politisch aufgeheizten Zeiten wichtig. Aber ich will mir auch keinen Maulkorb verpassen lassen.» Er fühle sich nicht als Motorsäge, sondern als einer, der gräbt. «Es kommt immer drauf an, wie man etwas sagt. Ich kann nicht auf die Bühne gehen und sagen: Ich bin der Gute, ihr seid die Bösen. Ich bin ja auch nicht perfekt.»

Schafroth sagt, er lese zurzeit mehrere Stunden am Tag Zeitung und Online-Berichte, um Stoff für seine Rede zu haben. «Das macht wahnsinnig Spaß.» In seiner Predigt komme unter anderem der Freie-Wähler-Chef und stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger vor. «Im Unterallgäu, wo ich aufgewachsen bin, gibt es genug Aiwangers. Die fahren Traktor und springen mit der Motorsäge herum. Je mehr man von den Menschen versteht, desto witzigere Sachen kann man über sie sagen.»

Auch zu den Grünen falle ihm genug ein: «In jeder Szenekneipe in München spüre ich die grüne Attitüde: Wir sind fürs Klima, und deswegen fahren wir einen Range Rover Hybrid. Auch da stellt sich die Frage: Wer ist echt, und wer macht fürs gute Gewissen auf Grün?»

Schafroth tritt die Nachfolge von Luise Kinseher an, die in der Rolle der «Mama Bavaria» seit 2011 den versammelten Spitzenpolitikern im Publikum die Leviten gelesen hatte. Kinsehers männliche Vorgänger waren gewöhnlich in der Rolle des «Bruder Barnabas» aufgetreten.