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Siemens-Chef: Digitalisierung droht Gesellschaft zu spalten

Berlin (dpa) – Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hat sich besorgt über eine Spaltung der Gesellschaft im Zuge der Digitalisierung gezeigt. Angesichts der vierten industriellen Revolution müsse man die Frage stellen: «Wie schaffen wir es, eine immer stärker geteilte Gesellschaft zu integrieren?», sagte Kaeser am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Projekts Innovationscampus.

Zugleich rief Kaeser dazu auf, mit der Digitalisierung in Deutschland mutig voranzugehen. Es störe ihn schon seit längerer Zeit, dass Leute nach San Francisco flögen, wenn sie glaubten, Innovationen sehen zu müssen. «Hier in Deutschland, gerade in Berlin, gab es Gründungen schon, da gab es in Silicon Valley noch gar keine Garagen.»

Das oft als Vorbild genannte US-Technologiezentrum Silicon Valley zeigt nach Worten Kaesers Fehlentwicklungen. Die 60 Kilometer zwischen San Francisco und San José sei die Region mit der größten Obdachlosigkeit in den USA. «Da gibt es dann eben Multimilliardäre, die wir alle glorifizieren, und viele Menschen, die eigentlich arbeiten können, aber keine Bleibe haben», sagte der Siemens-Chef.

Das dürfe nicht der neue sozioökonomische Standard werden, «aber wir sind auf dem besten Weg dahin», fügte er hinzu. Auch in München und Umgebung sei es für Menschen, «die einen ganz normalen Job haben», schwer, eine vernünftige Bleibe zu finden. Siemens wolle es mit dem Campus in Berlin anders machen. Dort sollten deshalb nicht nur Forschungseinrichtungen, sondern auch Wohnungen gebaut werden.